In einem kleinen Dorf am Fuße der Berge lebte ein Mädchen namens Juna. Juna liebte die Sterne über alles. Jede Nacht saß sie am Fenster und schaute hinauf zu den funkelnden Lichtern, die den Himmel schmückten. Doch eines Abends bemerkte sie etwas Beunruhigendes: Es waren weniger Sterne als sonst.
Nacht für Nacht wurden es weniger. Erst verschwand ein kleiner Stern, dann zwei, dann eine ganze Handvoll. Der Himmel wurde dunkler und trauriger. „Wenn das so weitergeht“, dachte Juna erschrocken, „bleibt bald gar kein Licht mehr in der Nacht. Dann fürchten sich alle Kinder im Dunkeln.“
Juna beschloss, etwas zu tun. Eine alte Sage erzählte von der Sternenquelle hoch oben auf dem höchsten Berg – dem Ort, an dem die Sterne geboren werden. „Dort muss ich hin“, sagte Juna entschlossen. Sie packte eine Laterne, eine warme Decke und etwas Brot ein und machte sich noch in derselben Nacht auf den weiten Weg.
Der Aufstieg war beschwerlich und dunkel. Der Wind pfiff kalt um die Felsen, und der Pfad war steil und steinig. Mehr als einmal wäre Juna am liebsten umgekehrt. Doch immer, wenn sie nach oben blickte und die wenigen verbliebenen Sterne sah, fasste sie neuen Mut. „Für euch klettere ich weiter“, flüsterte sie.
Nach einer langen, mühsamen Nacht erreichte Juna endlich den Gipfel. Dort fand sie die Sternenquelle – einen klaren, glitzernden Teich, aus dem einst die Sterne aufgestiegen waren. Doch der Teich war fast zugewachsen mit dunklem Gestrüpp und Geröll, das den Sternen den Weg zum Himmel versperrte.
„Deshalb können keine neuen Sterne mehr aufsteigen“, verstand Juna. Ohne zu zögern begann sie zu arbeiten. Mit bloßen Händen räumte sie Stein um Stein beiseite, zog das Gestrüpp heraus, obwohl es ihre Finger zerkratzte. Es war harte Arbeit, doch Juna gab nicht auf. Stunde um Stunde befreite sie die Quelle.
Als der erste Lichtschimmer des Morgens den Himmel erreichte, war es geschafft. Die Quelle war frei. Und da geschah das Wunder: Aus dem klaren Wasser stiegen leuchtende Funken empor, einer nach dem anderen – neue Sterne, die hinauf in den Himmel schwebten und ihre Plätze einnahmen. Immer mehr, bis der ganze Himmel wieder funkelte.
Juna stand da, müde und mit zerkratzten Händen, und schaute überglücklich nach oben. „Ihr seid wieder da“, flüsterte sie, und eine Träne der Freude rollte über ihre Wange. Sie hatte das Licht der Nacht gerettet – ganz allein, mit Mut und Ausdauer.
Erschöpft, aber zufrieden machte sie sich auf den Heimweg. In der nächsten Nacht saß Juna wieder an ihrem Fenster und blickte hinauf zu einem Himmel, der voller funkelnder Sterne war, heller und schöner als je zuvor. „Gut, dass ich nicht aufgegeben habe“, dachte sie stolz. Dann legte sie sich glücklich ins Bett, und die Sterne, die sie gerettet hatte, wachten über ihrem Schlaf. Gute Nacht, tapfere Juna.
