In einem Fischerdorf am Meer lebte ein Mädchen namens Juna, das die Sterne über alles liebte. Doch seit einiger Zeit war etwas Seltsames geschehen: Jede Nacht wurde der Himmel dunkler, denn immer mehr Sterne verschwanden. „Wo gehen sie nur hin?“, fragte sich Juna besorgt, während sie auf das schwarze Meer hinausblickte.
Eine alte Fischerin erzählte ihr von einer Sage. „Weit draußen im Meer“, sagte sie, „liegt die Sterneninsel. Es heißt, ein einsamer Zauberer fängt dort die Sterne ein, weil er sich nach ihrem Licht sehnt. Doch dadurch wird der ganze Himmel dunkel.“ Juna fasste einen Entschluss. „Dann segle ich zur Sterneninsel und befreie die Sterne.“
In einer klaren Nacht stieg Juna mutig in ihr kleines Boot und segelte hinaus, immer den letzten Sternen folgend. Das Meer war weit und dunkel, und manchmal fürchtete sie sich. Doch der Gedanke an den funkelnden Himmel gab ihr Kraft. Nach einer langen Fahrt tauchte vor ihr eine Insel auf, die in seltsamem Licht schimmerte.
Auf der Insel fand Juna unzählige Sterne, gefangen in gläsernen Käfigen, die traurig flackerten. Und mittendrin saß der Zauberer, allein und gebückt. „Warum hältst du die Sterne gefangen?“, fragte Juna mutig. Der Zauberer seufzte. „Ich bin so einsam in der Dunkelheit. Ihr Licht wärmt mich. Ohne sie bin ich allein im Finstern.“
Juna hörte die Traurigkeit in seiner Stimme, und ihr Herz wurde weich. „Aber wenn du alle Sterne hier einsperrst“, sagte sie sanft, „bleibt der ganze Himmel dunkel, und alle anderen Menschen sind ohne ihr Licht. Die Sterne gehören an den Himmel, wo sie für alle leuchten können – auch für dich.“
Der Zauberer schaute beschämt zu Boden. „Du hast recht“, sagte er leise. „Ich habe nur an mich gedacht.“ Gemeinsam öffneten Juna und der Zauberer die gläsernen Käfige, einen nach dem anderen. Befreit stiegen die Sterne jubelnd empor, hinaus in den Nachthimmel, und nahmen ihre Plätze wieder ein, bis der ganze Himmel wieder strahlte.
„Aber damit du nicht mehr einsam bist“, sagte Juna freundlich, „komm mit ans Festland. Dort gibt es viele Menschen, die deine Gesellschaft mögen. Und die Sterne kannst du jede Nacht am Himmel bewundern – zusammen mit allen anderen.“ Der Zauberer lächelte zum ersten Mal seit langer Zeit. „Das würde ich gern“, sagte er dankbar.
Gemeinsam segelten sie zurück, unter einem Himmel, der schöner funkelte als je zuvor. Juna hatte die Sterne befreit und einem einsamen Menschen einen Freund geschenkt. Müde, aber überglücklich kehrte sie nach Hause zurück und schaute zum strahlenden Himmel hinauf. „Licht gehört allen“, dachte sie zufrieden und schlief glücklich ein. Gute Nacht, mutige Juna.
