Hoch am Nachthimmel wohnte eine kleine Sternin namens Lumi, zusammen mit unzähligen anderen Sternen. Jede Nacht leuchteten sie um die Wette, doch der schönste Schein kam immer vom großen, runden Mond. Sein warmes, silbernes Licht legte sich sanft über die ganze schlafende Welt. „Wie schön der Mond leuchtet“, sagte Lumi jeden Abend.
Doch eines Nachts geschah etwas Schreckliches. Der Mond wurde immer blasser, sein Licht flackerte – und dann erlosch es ganz. Der Himmel wurde dunkel, und unten auf der Erde fürchteten sich die Kinder im plötzlichen Finstern. „Was ist mit dem Mond geschehen?“, riefen die Sterne erschrocken. „Sein Licht ist fort!“
Lumi flog zum Mond hinüber. „Lieber Mond, was ist mit dir?“, fragte sie besorgt. „Mein Licht“, seufzte der Mond schwach, „ist mir abhandengekommen. Ein dunkler Schatten hat es gestohlen und in der Schattenhöhle am Rand des Himmels versteckt. Ohne mein Licht kann ich nicht mehr leuchten.“ Lumi erschrak. „Dann hole ich es zurück!“
Die anderen Sterne warnten sie. „Die Schattenhöhle ist dunkel und unheimlich, Lumi. Das ist viel zu gefährlich für so eine kleine Sternin.“ Doch Lumi dachte an die Kinder, die sich im Dunkeln fürchteten, und an den traurigen Mond. „Wenn ich es nicht versuche, bleibt der Himmel für immer dunkel“, sagte sie tapfer. „Ich gehe.“
Lumi flog zum fernen Rand des Himmels, wo die dunkle Schattenhöhle gähnte. Mit klopfendem Herzen leuchtete sie mit ihrem eigenen kleinen Licht hinein. Drinnen war es finster und kalt, und seltsame Schatten huschten umher. Doch Lumi gab nicht auf. Tief in der Höhle entdeckte sie schließlich das gestohlene Mondlicht, eingesperrt in einer dunklen Kugel.
Der Schatten, der das Licht gestohlen hatte, stellte sich ihr in den Weg. „Niemand nimmt mir das Licht!“, zischte er. Doch Lumi zitterte zwar, blieb aber standhaft. „Das Mondlicht gehört allen“, sagte sie fest und leuchtete so hell, wie sie nur konnte. Und siehe da: Vor ihrem mutigen Licht wich der Schatten zurück, denn Schatten können das Licht nicht ertragen.
Lumi packte die Kugel mit dem Mondlicht und flog, so schnell sie konnte, zurück zum Mond. Vorsichtig öffnete sie die Kugel, und das warme, silberne Licht strömte heraus und kehrte zum Mond zurück. Sofort begann er wieder zu leuchten, heller und schöner als je zuvor. „Du hast mich gerettet, kleine Lumi!“, rief der Mond überglücklich.
Der ganze Himmel jubelte, und unten auf der Erde lächelten die Kinder, als das sanfte Mondlicht wieder durch ihre Fenster fiel. „Du warst so mutig“, sagten die anderen Sterne bewundernd. Lumi strahlte. „Ich hatte große Angst“, gab sie zu, „aber das Licht war es wert.“
Müde von ihrem Abenteuer, aber überglücklich, ließ sich Lumi an ihrem Platz am Himmel nieder. Der Mond leuchtete dankbar neben ihr. „Manchmal“, dachte Lumi zufrieden, „kann auch ein kleiner Stern etwas Großes bewirken.“ Sanft funkelnd schloss sie die Augen und schlief glücklich ein. Gute Nacht, kleine Lumi.
