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Die Schildkröte und der schnelle Hase

Selbstvertrauen · Dankbarkeitab 5 4 Min.
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Am Rande des Waldes lebte ein Hase, der schnellste weit und breit. Er war sehr stolz auf seine flinken Beine und prahlte gern damit. „Niemand ist so schnell wie ich!“, rief er und sauste an allen vorbei. Besonders gern machte er sich über die langsame Schildkröte Toni lustig.

„Schau dich an, Toni“, lachte der Hase. „Du brauchst ja eine Ewigkeit für einen einzigen Schritt. Bis du am Ziel bist, bin ich schon dreimal um den Wald gerannt.“ Toni ließ sich nicht ärgern. „Dann lass uns doch ein Wettrennen machen“, schlug sie ruhig vor. Der Hase lachte schallend. „Ein Rennen? Gegen dich? Das gewinne ich mit geschlossenen Augen!“

Am nächsten Morgen versammelten sich alle Tiere des Waldes, um das große Rennen zu sehen. Das Ziel war der alte Eichenbaum am Ende der langen Wiese. „Auf die Plätze, fertig, los!“, rief der Fuchs. Und schon sauste der Hase davon, schnell wie der Wind, während Toni gemächlich einen Fuß vor den anderen setzte.

Der Hase war im Nu weit voraus. Schon nach kurzer Zeit konnte er die Schildkröte hinter sich gar nicht mehr sehen. „Das ist ja viel zu leicht“, dachte er übermütig. „Toni braucht bestimmt noch Stunden. Ich kann mich ruhig ein bisschen ausruhen.“ Er legte sich unter einen schattigen Baum und schloss die Augen. „Nur ein kleines Nickerchen.“

Toni aber gab nicht auf. Langsam, aber stetig, Schritt für Schritt, kroch sie über die Wiese. Sie machte keine Pause, sie ließ sich nicht ablenken, sie schaute nur nach vorn auf das Ziel. „Immer weiter“, sagte sie sich ruhig. „Ein Schritt nach dem anderen bringt mich ans Ziel.“

Der Hase aber hatte sich in seinem Nickerchen verschlafen. Als er endlich die Augen aufschlug, stand die Sonne schon hoch. „Oh nein!“, rief er und sprang auf. Er raste los, so schnell er konnte – doch als er beim Eichenbaum ankam, traute er seinen Augen nicht: Toni saß bereits am Ziel und lächelte ihm freundlich entgegen.

„Wie hast du das nur geschafft?“, keuchte der Hase verblüfft. Toni lächelte. „Ich bin einfach immer weitergegangen, ohne aufzugeben. Schnell zu sein ist schön, lieber Hase. Aber durchzuhalten und ruhig sein Ziel zu verfolgen, bringt einen oft viel weiter.“ Der Hase wurde ganz nachdenklich und schämte sich für seinen Übermut.

Von da an machte sich der Hase nicht mehr über andere lustig, und er lernte, dass Ausdauer genauso wertvoll ist wie Schnelligkeit. Toni und der Hase wurden sogar Freunde. Am Abend, nach dem aufregenden Tag, zog sich Toni zufrieden in ihren Panzer zurück. „Ruhig und beständig“, dachte sie glücklich und schlief gemütlich ein. Schlaf gut, kleine Toni.