Hoch am Himmel schwebte eine kleine Wolke namens Tropfi. Tropfi war an diesem Tag ganz traurig, doch sie wusste selbst nicht genau, warum. Vielleicht, weil der Wind ihre Wolkenfreunde fortgetragen hatte. Vielleicht, weil sie sich ein bisschen allein fühlte. In ihrem Inneren spürte sie viele schwere Regentropfen, die hinauswollten.
Doch Tropfi hielt sie zurück. „Eine Wolke darf doch nicht einfach weinen“, dachte sie. „Was sollen die anderen denken? Ich muss tapfer sein und alles in mir behalten.“ Und so hielt sie ihre Tropfen fest, immer fester, und wurde dabei immer dunkler, schwerer und grauer.
Je mehr Tropfi ihre Traurigkeit zurückhielt, desto schwerer wurde sie. Bald war sie eine ganz dunkle, prall gefüllte Wolke und konnte kaum noch am Himmel schweben. „Mir ist so schwer ums Herz“, seufzte sie. „Aber ich darf doch nicht weinen.“ Mühsam schleppte sie sich über den Himmel.
Da kam die warme Sonne hinter einem Berg hervor und sah die schwere, dunkle Wolke. „Liebe Tropfi“, sagte die Sonne sanft, „warum hältst du nur all deine Tropfen zurück? Du darfst doch weinen. Es ist ganz natürlich, traurig zu sein, und es tut gut, die Tränen herauszulassen.“ Tropfi schaute überrascht. „Wirklich? Das ist erlaubt?“
„Aber natürlich“, sagte die Sonne warm. „Gefühle wollen herausgelassen werden. Wenn du sie immer zurückhältst, werden sie nur schwerer. Lass deine Tropfen ruhig fallen. Danach wird es dir viel leichter ums Herz.“ Tropfi atmete tief durch. Und dann ließ sie endlich los.
Sanft begann es zu regnen. Tropfen für Tropfen fiel aus Tropfi herab, hinunter auf die durstige Erde. Und mit jedem Tropfen, den sie losließ, wurde Tropfi ein bisschen leichter und heller. Es war, als würde all die Schwere aus ihr herausfließen. „Oh“, machte Tropfi erleichtert, „das fühlt sich gut an.“
Unten auf der Erde freuten sich die Blumen und Bäume über den erfrischenden Regen und reckten sich dankbar dem Himmel entgegen. Tropfis Tränen hatten gar nichts Schlimmes angerichtet – im Gegenteil, sie hatten alles zum Blühen gebracht. Und als Tropfi alle Tropfen losgelassen hatte, war sie wieder eine leichte, weiße Wolke.
Die Sonne lächelte und tauchte den Himmel in warmes Licht. Sogar ein Regenbogen spannte sich über das Tal. Tropfi fühlte sich leicht und froh. „Es ist okay, traurig zu sein und zu weinen“, dachte sie zufrieden. „Danach scheint die Sonne umso schöner.“ Leicht und glücklich schwebte sie davon und schlief am Abendhimmel friedlich ein. Gute Nacht, kleine Tropfi.
