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Die Raupe, die Geduld lernte

Selbstvertrauen · Gefühle (Wut/Angst)ab 5 4 Min.
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Auf einem grünen Blatt im Garten lebte eine kleine Raupe namens Rosa. Den ganzen Tag fraß sie an saftigen Blättern und wurde dabei immer dicker und runder. Doch Rosa war ungeduldig. Sie hatte gehört, dass aus Raupen einmal wunderschöne Schmetterlinge werden. „Das will ich auch!“, rief sie. „Und zwar sofort!“

„Wann werde ich endlich ein Schmetterling?“, fragte Rosa eine vorbeifliegende Biene. „Ich will fliegen, bunte Flügel haben und über die Blumen tanzen!“ Die Biene summte freundlich. „Geduld, kleine Rosa. So eine Verwandlung braucht ihre Zeit. Du kannst sie nicht erzwingen.“ Doch Rosa wollte nicht warten.

Sie zappelte und strengte sich an und versuchte, ihre Raupenhaut abzustreifen, um endlich Flügel zu bekommen. Doch das tat weh und brachte gar nichts. „Warum dauert das nur so lange?“, jammerte sie ungeduldig. „Ich will jetzt ein Schmetterling sein!“ Erschöpft sank sie auf ihr Blatt zurück.

Da kam die weise alte Spinne vorbei, die schon viele Raupen hatte fliegen sehen. „Liebe Rosa“, sagte sie sanft, „eine so große Verwandlung geschieht nicht von einem Moment zum anderen. Du musst dir eine warme Hülle spinnen, einen Kokon, und dort ganz geduldig ruhen. In der Stille geschieht das Wunder – aber nur, wenn du ihm Zeit lässt.“

Rosa seufzte. „Einfach nur warten?“ „Vertrauen und warten“, sagte die Spinne. „Die Natur weiß, was sie tut.“ Also fügte sich Rosa. Sie spann sich einen festen, gemütlichen Kokon um sich herum und kuschelte sich hinein. Es war warm und ruhig dort. „Jetzt heißt es geduldig sein“, sagte sie sich und wurde ganz still.

Tag um Tag verging. In ihrem stillen Kokon ruhte Rosa und vertraute darauf, dass etwas Wunderbares geschah. Sie zappelte nicht mehr, sie drängte nicht mehr – sie wartete einfach geduldig. Und tief in ihrem Inneren, ganz langsam und sanft, begann sich Rosa zu verwandeln.

Eines warmen Morgens spürte Rosa, dass die Zeit gekommen war. Vorsichtig öffnete sich der Kokon, und Rosa kroch heraus. Sie streckte sich – und entfaltete zwei wunderschöne, leuchtend bunte Flügel! „Ich bin ein Schmetterling!“, jubelte sie. Behutsam schlug sie mit den Flügeln, hob ab und tanzte zum ersten Mal durch die Luft.

„Hat sich das Warten gelohnt?“, fragte die alte Spinne lächelnd. „Oh ja!“, rief Rosa glücklich, während sie über die Blumen schwebte. „Es war das schönste Wunder.“ Sie hatte gelernt, dass die wertvollsten Dinge Geduld brauchen. Als der Abend kam, ließ sich Rosa auf einer Blüte nieder, faltete ihre bunten Flügel zusammen und schlief zufrieden ein. Schlaf gut, kleine Rosa.