Panda Wuyi war ein ruhiger, gemütlicher Panda, der die Aufregung nicht besonders mochte. Am liebsten saß er im Schatten und knabberte gemächlich an seinem Bambus. Wild und mutig, das waren für ihn die anderen Tiere. „Ich bin eben kein Held“, sagte Wuyi von sich. „Ich bin ein gemütlicher Panda.“
Eines Tages saß Wuyi am Ufer des Bergbachs und genoss die Sonne, als er über sich aufgeregtes Geschrei hörte. Ein kleines Äffchen turnte übermütig auf einem Ast, der über dem Wasser hing. „Pass auf!“, rief Wuyi noch. Doch da knackte der Ast schon, und das Äffchen fiel mit einem Platsch in den reißenden Bach. „Hilfe!“, schrie es und wurde von der Strömung mitgerissen.
Wuyis Herz machte einen Satz. Der Bach war schnell und wild, und Wuyi hatte Angst vor dem reißenden Wasser. „Was soll ich nur tun?“, dachte er panisch. „Ich bin doch kein mutiger Held.“ Doch das Äffchen trieb hilflos davon und rief verzweifelt um Hilfe. Da wusste Wuyi: Jetzt durfte er nicht zögern, egal wie groß seine Angst war.
Schnell schaute sich Wuyi um. Am Ufer lag ein langer, dicker Bambushalm. Wuyi packte ihn mit seinen kräftigen Pfoten und rannte am Ufer entlang, dem treibenden Äffchen voraus. An einer schmalen Stelle des Bachs hielt er an, stemmte sich fest in den Boden und streckte den langen Bambushalm weit über das Wasser. „Halt dich fest, kleines Äffchen!“, rief er. „Greif nach dem Halm!“
Das Äffchen sah den Bambushalm und streckte mit letzter Kraft seine kleinen Hände danach aus. Es bekam ihn zu fassen und klammerte sich fest. „Ich hab dich!“, rief Wuyi und zog mit aller Kraft. Er stemmte seine kräftigen Pandabeine in den Boden und zog den Halm Stück für Stück ans Ufer, bis er das durchnässte Äffchen sicher aus dem Wasser ziehen konnte.
Zitternd und tropfnass, aber wohlauf, klammerte sich das Äffchen an Wuyis weiches Fell. „Du hast mich gerettet!“, schluchzte es. „Ich dachte schon, ich ertrinke.“ Wuyi hielt es sanft und wärmte es mit seinem dicken Fell. „Keine Sorge“, sagte er beruhigend. „Jetzt bist du in Sicherheit.“ Sein Herz klopfte noch immer wild – vor Angst, aber auch vor Stolz.
Bald kamen die anderen Tiere herbeigelaufen, die alles aus der Ferne gesehen hatten. „Wuyi, du warst so mutig!“, riefen sie. „Du hast das Äffchen ganz allein gerettet!“ Wuyi wurde ganz verlegen. „Ich hatte solche Angst vor dem Wasser“, gab er zu. „Aber ich konnte das Äffchen doch nicht einfach ertrinken lassen.“
Da kam die weise alte Pandadame und legte ihm eine Pfote auf die Schulter. „Weißt du, Wuyi“, sagte sie, „genau das ist Mut. Nicht, keine Angst zu haben. Sondern trotz der Angst das Richtige zu tun. Du hast heute bewiesen, dass auch ein gemütlicher Panda ein großer Held sein kann.“ Wuyi lächelte stolz. Vielleicht war er ja doch ein bisschen ein Held.
Am Abend, müde von der großen Aufregung, kuschelte sich Wuyi in sein weiches Nest, das gerettete Äffchen schon längst sicher bei seiner Familie. „Heute war ich mutig“, dachte Wuyi staunend und zufrieden. Die Sterne funkelten über dem Bergwald, der Bach plätscherte nun ganz friedlich, und stolz auf seinen Mut schlief der Panda Wuyi zufrieden ein. Schlaf gut, Wuyi. Gute Nacht.
