schlummerdrache.de – Gute-Nacht-Geschichten

Die mutige kleine Maus Mira

Mut machen · Selbstvertrauenab 3 3 Min.
Schrift

In einem kleinen Loch hinter der Speisekammer wohnte die Mausefamilie. Die kleinste hieß Mira und hatte das weichste graue Fell und die größten Kulleraugen. Mira war noch nie allein in die große Küche gegangen. Das überließ sie lieber den Großen.

Doch an diesem Abend war die Vorratskammer leer, und alle waren hungrig. Mamas Pfote tat weh, und die Geschwister waren noch zu klein. „Mira“, sagte Mama leise, „du bist schon so groß. Traust du dich, ein Stück Käse aus der Küche zu holen?“ Mira schluckte. Die Küche war dunkel und so groß. „Ich … ich versuche es“, piepste sie.

Vorsichtig steckte Mira die Nase aus dem Loch. Vor ihr lag die weite Küche, nur vom Mondlicht schwach beleuchtet. Jeder Schatten sah aus wie ein Ungeheuer. Ihr kleines Herz klopfte bis zum Hals. „Ein Pfötchen nach dem anderen“, flüsterte sie sich zu, so wie Mama es immer sagte.

Sie huschte hinter dem Stuhlbein in Deckung und lauschte. Alles still. Nur die große Uhr machte leise tick, tack. Mira atmete tief durch und flitzte zum nächsten Versteck, einem umgefallenen Korb. Geschafft! Sie war schon ein gutes Stück gekommen. „Ich schaffe das wirklich“, dachte sie, und das machte sie ein bisschen mutiger.

Endlich erreichte sie den Teller mit dem Käse. Er duftete herrlich. Mira knabberte ein Stück ab, das genau richtig war, um es zu tragen. Doch da – ein Geräusch! Sie erstarrte. Es war nur der Wind, der am Fenster rüttelte. Mira atmete erleichtert aus und nahm den Käse fest zwischen die Zähne.

So schnell und leise sie konnte, huschte sie den ganzen Weg wieder zurück: vom Teller zum Korb, vom Korb zum Stuhlbein, vom Stuhlbein zum Loch. Mit einem letzten Satz war sie zu Hause. „Ich hab’s!“, rief sie und legte den Käse stolz vor ihrer Familie ab.

Die Geschwister jubelten, und Mama strich ihr zärtlich über den Kopf. „Du warst so tapfer, meine Kleine“, sagte sie. „Ich bin furchtbar stolz auf dich.“ Mira reckte sich. Sie hatte solche Angst gehabt – und es trotzdem geschafft. Das fühlte sich wunderbar an.

Satt und zufrieden kuschelte sich die ganze Mausefamilie zusammen. Mira gähnte und schloss ihre großen Kulleraugen. „Morgen“, murmelte sie schläfrig, „traue ich mich vielleicht sogar bis zum Brotkorb.“ Dann schlief die mutige kleine Maus glücklich ein. Schlaf gut, kleine Mira.