Einmal im Jahr feierten die Mondbewohner das große Lichterfest. In dieser besonderen Nacht brachte jedes Mondkind sein eigenes kleines Licht mit, und alle Lichter zusammen ließen den Mond heller strahlen als je zuvor. Das kleine Mondkind Tilo aber war traurig. „Mein Licht ist so winzig“, seufzte es. „Die anderen leuchten viel heller. Mein kleines Licht fällt doch gar nicht auf.“
Tilo schaute zu, wie die anderen Mondkinder ihre Lichter übten. Manche leuchteten hell wie kleine Sonnen, andere schimmerten in wunderschönen Farben. Tilos Licht dagegen war nur ein zartes, silbernes Glimmen. „Bei so vielen hellen Lichtern braucht mein kleines bestimmt niemand“, dachte Tilo betrübt und wollte sich am liebsten verstecken.
Die alte Mondhüterin bemerkte Tilos Kummer. „Warum so traurig, kleines Tilo?“, fragte sie. „Mein Licht ist zu klein und schwach“, klagte Tilo. „Es trägt doch nichts zum Fest bei.“ Die Mondhüterin lächelte. „Das glaube ich nicht“, sagte sie. „Komm heute Abend zum Fest und bring dein Licht mit. Du wirst sehen – jedes Licht wird gebraucht, auch das kleinste.“
Am Abend versammelten sich alle Mondbewohner auf dem höchsten Mondhügel. Einer nach dem anderen brachte sein Licht, und der Mond begann zu leuchten. Tilo stand schüchtern am Rand und traute sich kaum, sein kleines Licht zu zeigen. „Komm, Tilo“, riefen die anderen. „Wir brauchen jedes Licht!“ Zögernd trat Tilo vor und ließ sein zartes, silbernes Glimmen leuchten.
Und da geschah etwas Wunderbares. Tilos kleines Licht hatte eine ganz besondere Farbe – ein sanftes, warmes Silber, das kein anderes Licht hatte. Und genau dieses warme Silber fügte sich so schön zwischen all die hellen Lichter, dass das Gesamtbild erst dadurch vollkommen wurde. „Schaut!“, riefen die Mondkinder. „Tilos Licht macht alles erst richtig schön und warm!“
Die alte Mondhüterin nickte zufrieden. „Siehst du, Tilo?“, sagte sie. „Dein Licht ist nicht zu klein. Es ist einzigartig. Kein anderes leuchtet in genau diesem warmen Silber. Gerade dein Licht gibt dem ganzen Mond seine sanfte Wärme.“ Tilo schaute auf sein kleines Licht und war auf einmal mächtig stolz darauf.
Gemeinsam ließen die Mondbewohner ihre Lichter strahlen, und der Mond leuchtete in dieser Nacht so warm und schön wie nie zuvor. Unten auf der Erde schauten die Menschen hinauf und staunten: „Wie schön und warm der Mond heute leuchtet!“ Und mittendrin, ganz unverzichtbar, glimmte Tilos kleines, warmes Silberlicht.
„Ich dachte, mein Licht wäre zu klein“, sagte Tilo glücklich. „Aber es wird genauso gebraucht wie alle anderen.“ Die Mondhüterin lächelte. „Jedes Licht zählt“, sagte sie. „Egal wie groß oder klein. Zusammen leuchten wir am hellsten.“ Tilo nickte stolz und ließ sein Licht noch ein bisschen heller glimmen.
Am Ende des Festes, als der Mond am Himmel besonders schön leuchtete, kuschelte sich Tilo zufrieden in den weichen Mondstaub. „Mein kleines Licht wird gebraucht“, dachte es glücklich. Die Sterne funkelten rings um den Mond, das Lichterfest klang sanft aus, und stolz auf sein einzigartiges Licht schlief das kleine Mondkind Tilo zufrieden ein. Schlaf gut, Tilo. Gute Nacht.
