In der Savanne hatte es lange, lange nicht geregnet. Die Erde war trocken und rissig, das Gras war braun und welk, und die Wasserlöcher waren fast leer. Die beiden kleinen Leopardengeschwister Mila und Theo spürten, dass etwas nicht stimmte. „Mama, warum ist alles so trocken und staubig?“, fragte Mila. „Weil es schon so lange nicht geregnet hat“, antwortete Mama. „Wir alle warten sehnsüchtig auf den Regen.“
„Was ist denn Regen?“, fragte der kleine Theo, der noch nie welchen erlebt hatte. „Regen ist Wasser, das vom Himmel fällt“, erklärte Mama. „Er gibt der ganzen Savanne zu trinken. Dann wird das Gras wieder grün, die Wasserlöcher füllen sich, und alle Tiere sind glücklich. Bald muss er kommen, ich kann ihn schon riechen.“ Die Geschwister schnupperten neugierig in die Luft.
An diesem Nachmittag zogen tatsächlich große, dunkle Wolken über die Savanne. Ein kühler Wind kam auf, und die Luft roch auf einmal ganz frisch und anders. „Er kommt!“, rief Mama freudig. „Der Regen kommt!“ Und dann, ganz plötzlich, fielen die ersten dicken Tropfen vom Himmel. Platsch, platsch, platsch. Sie landeten auf der trockenen Erde und auf dem Fell der kleinen Leoparden.
„Es kitzelt!“, lachte Theo, als die Tropfen auf seine Nase fielen. Immer mehr Regen fiel, erst sanft, dann kräftiger, ein warmer, wunderbarer Regen. Mila und Theo sprangen vor Freude umher und ließen sich nass regnen. Überall um sie herum kamen die Tiere der Savanne aus ihren Verstecken und reckten dankbar die Köpfe in den erfrischenden Regen.
„Schaut nur, wie sich alle freuen!“, rief Mila. Die Elefanten spritzten sich vergnügt mit ihren Rüsseln voll Wasser. Die Antilopen sprangen übermütig durch die Pfützen. Die Vögel badeten zwitschernd im Regen. Und die trockene, durstige Erde sog das Wasser auf und atmete auf. Ein wunderbarer, frischer Duft stieg von der Savanne empor.
„Riecht ihr das?“, fragte Mama und schloss genüsslich die Augen. „Das ist der Duft des Regens auf der trockenen Erde. Es gibt keinen schöneren Geruch in der ganzen Savanne.“ Mila und Theo atmeten tief ein. Es roch herrlich – nach Frische, nach Leben, nach Glück. „Ich bin so dankbar für den Regen“, sagte Mila leise.
Als der Regen nachließ, war die Savanne wie verwandelt. Die Wasserlöcher waren wieder gefüllt, und schon am nächsten Morgen würden überall winzige grüne Grashalme aus der Erde sprießen. „Siehst du, Theo“, sagte Mama, „der Regen ist ein großes Geschenk. Deshalb sind wir so dankbar dafür. Manchmal muss man lange auf etwas Schönes warten – und dann freut man sich umso mehr.“
Die beiden Leopardengeschwister, nass und glücklich, kuschelten sich an ihre Mama, die sie mit ihrer warmen Zunge trockenleckte. „Das war der schönste Tag“, sagte Theo zufrieden. „Mein erster Regen.“ Mila nickte verschlafen. „Und morgen wird alles wieder grün.“ Mama schnurrte. „So ist es, meine Lieben.“
Am Abend, als die Wolken sich verzogen hatten und ein klarer, gewaschener Sternenhimmel über der Savanne stand, lagen die beiden satt und dankbar im frisch duftenden Gras. Die Erde roch noch immer herrlich nach Regen, ein kühler Wind strich sanft über ihr Fell, und voller Dankbarkeit für das Geschenk des Regens schliefen die kleinen Leopardengeschwister glücklich ein. Schlaf gut, Mila und Theo. Gute Nacht.
