Einmal im Jahr feierten die Waldkobolde ihr großes Pilzfest. Den ganzen Herbst über hatten sie die schönsten Pilze gesammelt, und nun sollte gefeiert werden. Doch in diesem Jahr gab es Streit. „Die größten Pilze gehören mir, ich habe sie gefunden!“, rief ein Kobold. „Nein, mir!“, schimpfte ein anderer. Jeder wollte die schönsten Pilze für sich, und das Fest drohte ins Wasser zu fallen.
Der kleine Kobold Mux schaute traurig zu, wie die anderen sich zankten. „So macht das Fest doch gar keinen Spaß“, dachte er. „Alle streiten, und niemand ist fröhlich.“ Mux überlegte, wie er helfen könnte. Da hatte er eine Idee. Er kletterte auf einen großen Stein, sodass alle ihn sehen konnten. „Hört mal alle her!“, rief er, so laut er konnte.
Die streitenden Kobolde hielten überrascht inne. „Wir feiern doch ein Fest“, sagte Mux. „Aber statt fröhlich zu sein, streiten wir nur. Ich habe eine Idee: Wie wäre es, wenn wir alle unsere Pilze zusammenlegen, zu einem großen Festschmaus? Dann hat jeder von allem etwas, und niemand muss streiten.“ Die Kobolde schauten sich unsicher an.
„Aber dann habe ich ja nicht mehr meine eigenen Pilze“, brummte einer. Mux lächelte. „Stimmt“, sagte er. „Dafür hast du dann von vielen verschiedenen Pilzen etwas – und das Beste: Du feierst zusammen mit allen, statt allein deinen Haufen zu bewachen. Probiert es doch einfach mal aus.“ Zögernd legte der erste Kobold seine Pilze in die Mitte, dann der nächste, und bald türmte sich ein riesiger Festschmaus.
Und auf einmal war die Stimmung wie verwandelt. Statt zu streiten, saßen alle Kobolde gemeinsam um den großen Pilzberg, probierten von allem und lachten zusammen. Es gab gebratene Pilze, Pilzsuppe und sogar Pilzkuchen. „Das schmeckt ja viel besser, wenn wir alles teilen!“, riefen die Kobolde. „Und es macht viel mehr Spaß!“
Mux freute sich. „Seht ihr?“, sagte er. „Geteiltes Fest ist das schönste Fest. Allein seinen Pilzhaufen zu bewachen macht nur einsam. Aber gemeinsam zu feiern, das macht uns alle glücklich.“ Die anderen Kobolde nickten und schämten sich ein bisschen für ihren Streit. „Du hast recht, Mux“, sagten sie. „Danke, dass du uns das gezeigt hast.“
Das Pilzfest wurde das fröhlichste, das die Kobolde je gefeiert hatten. Sie aßen, lachten, tanzten und sangen die ganze Nacht. Und niemand dachte mehr daran, wer welchen Pilz gefunden hatte. „Nächstes Jahr machen wir es gleich wieder so“, beschlossen sie. „Wir legen alles zusammen und feiern gemeinsam.“ Mux strahlte vor Freude.
„Geteilte Freude ist die schönste Freude“, sagte die alte Kobold-Oma zufrieden, als sie die fröhliche Gesellschaft sah. „Das hat der kleine Mux genau richtig erkannt.“ Mux wurde ganz stolz. Er hatte aus einem Streit ein wunderschönes Fest gemacht, einfach indem er alle zum Teilen gebracht hatte.
Am Ende der Nacht, satt und glücklich, kuschelten sich die Kobolde gemeinsam ins weiche Moos. „Heute war das schönste Pilzfest“, gähnte Mux zufrieden, „weil wir alles geteilt haben.“ Der Mond schien durch die Blätter, der Wald rauschte leise, und mit warmen, fröhlichen Herzen schliefen die kleinen Kobolde zufrieden ein. Schlaf gut, ihr Kobolde. Gute Nacht.
