Mitten im Wald stand ein großer, alter Baum, in dessen Wurzeln und Ästen viele kleine Kobolde wohnten. Der alte Baum hatte sie seit jeher beschützt: Seine Blätter spendeten Schatten, seine Äste boten Schutz vor Regen, und in seinen Höhlen war es warm und sicher. Die Kobolde liebten ihren Baum, dachten aber selten darüber nach, wie viel er für sie tat.
Eines Tages bemerkte der kleine Kobold Fips, dass der alte Baum traurig aussah. Seine Blätter hingen welk herab, seine Rinde war trocken, und seine Äste senkten sich müde. „Lieber Baum, was ist mit dir?“, fragte Fips besorgt. Der alte Baum seufzte mit einem leisen Knarren. „Ich bin müde und krank geworden“, sagte er. „Meine Wurzeln finden kaum noch Wasser, und niemand kümmert sich um mich.“
Fips erschrak. Er dachte daran, wie viel der Baum immer für die Kobolde getan hatte – und wie wenig sie ihm je gedankt hatten. „Das muss sich ändern“, sagte Fips entschlossen. Er rief alle Kobolde zusammen. „Unser Baum ist krank“, erklärte er. „Er hat uns immer beschützt. Jetzt müssen wir ihm helfen und ihm danken. Lasst uns ihn gemeinsam wieder gesund pflegen.“
Die Kobolde waren sofort bereit. Gemeinsam machten sie sich ans Werk. Die einen trugen Wasser vom Bach herbei und gossen es an die durstigen Wurzeln. Die anderen entfernten vorsichtig die trockenen, abgestorbenen Zweige. Wieder andere lockerten die Erde um den Stamm, damit die Wurzeln besser atmen konnten. Jeder half mit, so gut er konnte.
Tag für Tag kümmerten sich die Kobolde liebevoll um ihren alten Baum. Sie gossen ihn, pflegten ihn und sprachen ihm Mut zu. „Wir danken dir für all die Jahre, die du uns beschützt hast“, sagten sie. Und langsam, ganz langsam, ging es dem alten Baum besser. Seine Rinde wurde wieder geschmeidig, seine Äste richteten sich auf, und an seinen Zweigen sprossen frische, grüne Blätter.
„Oh, wie gut mir das tut“, seufzte der alte Baum wohlig, als er wieder zu Kräften kam. „Danke, ihr lieben Kobolde. Ich hatte schon geglaubt, niemand würde sich um mich kümmern. Aber ihr habt mir geholfen und mir gezeigt, dass ihr mich liebt.“ Die Kobolde freuten sich von Herzen, dass es ihrem Baum wieder besser ging.
„Wir hätten viel früher auf dich achten sollen“, sagte Fips. „Du tust so viel für uns, und wir haben es einfach für selbstverständlich gehalten. Das tut uns leid. Von jetzt an kümmern wir uns immer gut um dich.“ Der alte Baum rauschte zufrieden mit seinen neuen Blättern. „Dankbarkeit“, sagte er, „ist das schönste Geschenk.“
Von diesem Tag an pflegten die Kobolde ihren alten Baum mit Liebe und Dankbarkeit. Und der Baum dankte es ihnen, indem er sie weiter beschützte, ihnen Schatten und Schutz schenkte und der schönste, gesündeste Baum im ganzen Wald wurde. Die Kobolde hatten gelernt, dankbar zu sein für das, was sie hatten.
Am Abend, müde von der Arbeit, aber glücklich, kuschelten sich die Kobolde in die warmen Höhlen ihres gesunden Baumes. „Heute haben wir unserem Baum gedankt“, dachte Fips zufrieden. Der alte Baum wiegte seine Äste sanft im Abendwind, der Mond schien durch die frischen Blätter, und behütet und dankbar schliefen die kleinen Kobolde zufrieden ein. Schlaf gut, ihr Kobolde. Gute Nacht.
