Hoch oben am Himmel schwebte eine kleine, weiße Wolke namens Wanda. Sie trieb gemütlich dahin und schaute den großen Wolken zu, die mächtig und wichtig aussahen. „Ich bin nur eine winzige Wolke“, seufzte Wanda. „Wozu bin ich eigentlich gut?“
Die großen Gewitterwolken grollten und ließen es regnen. „Wir gießen die Felder“, brummten sie stolz. Wanda war viel zu klein für so etwas. „Ich kann gar nichts Besonderes“, dachte sie traurig und schwebte ein bisschen tiefer, dem Boden entgegen.
Unter ihr lag eine Wiese, und dort saß ein kleines Mädchen unter einem Baum. Die Sonne brannte heiß vom Himmel, und das Mädchen wischte sich den Schweiß von der Stirn. „Ach“, seufzte es, „wäre es nur ein bisschen kühler.“
Wanda hörte das und schwebte langsam vor die Sonne. Und siehe da – ihr kleiner, weicher Schatten fiel genau auf das Mädchen und spendete ihm angenehme Kühle. „Oh, wie schön“, sagte das Mädchen erleichtert und lächelte hinauf zu Wanda. „Danke, liebe Wolke.“
Wanda staunte. Sie hatte etwas Gutes getan, ganz ohne Donner und Regen – nur mit ihrem kleinen Schatten. Sie schwebte weiter und entdeckte einen müden Wanderer, einen durstigen Hund, eine welkende Blume. Überall spendete sie ein wenig kühlenden Schatten, und überall freuten sich die, denen sie half.
„Ich bin gar nicht nutzlos“, dachte Wanda glücklich. „Ich habe meine ganz eigene Aufgabe. Ich bringe Schatten und Kühle, wo es zu heiß ist.“ Eine große Gewitterwolke nickte ihr anerkennend zu. „Siehst du“, grollte sie freundlich, „jede Wolke wird gebraucht. Auch die kleinste.“
Am Abend, als die Sonne unterging und der Himmel sich rosa färbte, fühlte sich Wanda zufrieden und leicht. Sie hatte vielen einen schönen Tag gemacht. Sanft trieb sie am Abendhimmel dahin, während die ersten Sterne hervorkamen.
Langsam wurde Wanda ganz weich und schläfrig. Der warme Abendwind wiegte sie sacht hin und her. „Ich bin genau richtig, so wie ich bin“, dachte sie glücklich und kuschelte sich in den weichen Abendhimmel. Schlaf gut, kleine Wanda. Träum süß.
