In einem sonnigen Garten wuchs eine Reihe Sonnenblumen. Die meisten waren schon groß und reckten ihre leuchtend gelben Köpfe stolz der Sonne entgegen. Ganz am Ende der Reihe aber stand eine kleine Sonnenblume namens Paula, die noch viel kleiner war als die anderen.
„Warum bin ich noch so klein?“, seufzte Paula und schaute zu ihren großen Nachbarinnen hinauf. „Ihr seid alle schon riesig, und ich reiche euch kaum bis zu den Blättern.“ Sie streckte sich, so sehr sie konnte, doch größer wurde sie davon kein Stückchen.
Paula gab sich solche Mühe. Sie reckte ihren dünnen Stängel, stellte sich auf die Wurzelspitzen und zog und zog. „Schneller, schneller!“, sagte sie zu sich. Doch das viele Anstrengen machte sie nur müde, und ihre Blätter ließen traurig die Köpfe hängen.
Da summte eine freundliche Hummel vorbei und setzte sich auf eines ihrer Blätter. „Warum so traurig, kleine Paula?“, fragte sie. „Ich will endlich groß sein“, klagte Paula, „aber ich wachse einfach nicht schnell genug.“ Die Hummel lächelte. „Ach, kleine Paula. Wachsen kann man nicht erzwingen. Es braucht einfach seine Zeit.“
„Schau“, sagte die Hummel. „Jeden Tag streckst du dich ein winziges Stück der Sonne entgegen. Du trinkst den Regen, du sammelst das Licht. Das siehst du nicht von einem Tag auf den anderen. Aber es geschieht, ganz langsam und sicher. Hab nur ein bisschen Geduld mit dir.“
Paula dachte darüber nach. „Also muss ich gar nichts erzwingen?“ „Genau“, summte die Hummel. „Du musst nur jeden Tag deine Blätter zur Sonne drehen und dich an der Wärme freuen. Den Rest macht die Zeit ganz von allein.“ Paula seufzte erleichtert und hörte auf, sich abzumühen.
Von da an genoss Paula einfach jeden Tag. Morgens drehte sie ihren kleinen Kopf nach Osten, wo die Sonne aufging, und abends nach Westen, wo sie unterging. Sie trank den Regen, spürte den warmen Wind und freute sich am Summen der Bienen. Und das Schöne war: Sie merkte gar nicht, wie sie dabei wuchs.
Eines Morgens, viele Tage später, wachte Paula auf und traute ihren Blättern nicht. Sie war groß geworden! Ihr Kopf reichte nun genauso hoch wie der ihrer Nachbarinnen, und ihre Blüte leuchtete in einem strahlenden Gelb. „Ich bin gewachsen!“, jubelte sie. „Ganz von allein, mit der Zeit.“
Am Abend wiegte sich Paula zufrieden im lauen Sommerwind, ihr großer Kopf voller Sonnenwärme. „Gut, dass ich geduldig war“, dachte sie glücklich. Als die Sterne aufgingen, neigte sie sanft ihre Blüte und schlummerte zufrieden ein. Schlaf gut, kleine Paula. Träum von der Sonne.
