Die kleine Hexe Lulu war mit ihrem Häuschen in einen neuen Wald gezogen. Denn Hexenhäuschen können auf kleinen Hühnerbeinchen umherwandern. Doch im neuen Wald kannte Lulu niemanden. Alles war fremd: die Bäume, die Wege, die anderen Waldbewohner. „In meinem alten Wald hatte ich so viele Freunde“, seufzte Lulu. „Hier kenne ich keinen einzigen.“
Schüchtern schaute Lulu aus ihrem Fenster und beobachtete die anderen Waldbewohner. Eine junge Hexe flog auf ihrem Besen vorbei, ein kleiner Kobold sammelte Pilze, und Lulu fühlte sich ganz allein. Wie gern hätte sie mitgemacht! Aber sie traute sich nicht. „Was, wenn sie mich nicht mögen?“, dachte sie und blieb lieber drinnen.
Lulus Großmutter, eine weise alte Hexe, bemerkte, wie einsam Lulu war. „Warum gehst du nicht hinaus und lernst die anderen kennen?“, fragte sie. „Ich trau mich nicht“, gestand Lulu. „Ich kenne sie ja gar nicht.“ Oma lächelte. „Weißt du, wie man jemanden kennenlernt? Ganz einfach: Man geht hin und sagt freundlich Hallo. Das ist der erste Schritt zu jeder Freundschaft.“
„Einfach Hallo sagen?“, fragte Lulu unsicher. „Genau“, sagte Oma. „Probier es doch einmal.“ Lulu schluckte. Ihr Herz klopfte, aber sie fasste sich ein Herz. Sie ging hinaus und sah eine junge Hexe, die gerade Kräuter sammelte. Langsam ging Lulu zu ihr hin. „H-hallo“, sagte sie schüchtern. „Ich bin Lulu. Ich bin neu hier im Wald.“
Die junge Hexe schaute auf und strahlte. „Hallo, Lulu! Schön, dass du da bist! Ich bin Fina. Magst du mir beim Kräutersammeln helfen? Und danach könnten wir zusammen einen Zaubertrank brauen!“ Lulu konnte ihr Glück kaum fassen. „Wirklich? Das würde ich gern!“ Und schon sammelten die beiden gemeinsam Kräuter, lachten und hatten eine wunderbare Zeit.
Fina zeigte Lulu die schönsten Plätze im neuen Wald: die Lichtung mit den Glühwürmchen, den Teich mit den singenden Fröschen und den alten Baum, in dem eine freundliche Eule wohnte. Lulu merkte, dass der neue Wald gar nicht so fremd und unheimlich war, sondern voller schöner Orte und netter Bewohner. „Es war gar nicht schwer, eine Freundin zu finden“, dachte sie glücklich.
Am Abend brauten Lulu und Fina zusammen einen lustigen Zaubertrank, der bunte Seifenblasen sprudeln ließ. Sie kicherten und staunten und hatten riesigen Spaß. „Ich bin so froh, dass ich Hallo gesagt habe“, sagte Lulu. „Sonst hätte ich dich nie kennengelernt.“ Fina lächelte. „Und ich bin froh, dass du in unseren Wald gezogen bist“, sagte sie.
„Kommst du morgen wieder?“, fragte Fina, als es Zeit war zu gehen. „Sehr gern!“, rief Lulu strahlend. Glücklich kehrte sie in ihr Häuschen zurück, wo ihre Oma schon wartete. „Na, war es so schlimm?“, fragte Oma lächelnd. „Überhaupt nicht“, sagte Lulu. „Ich habe eine Freundin gefunden!“
Lulu kuschelte sich zufrieden in ihr Hexenbett. Der neue Wald fühlte sich auf einmal wie ein Zuhause an. „Morgen treffe ich Fina wieder“, dachte sie glücklich. Der Mond schien durchs Fenster, der Wald rauschte sanft, und mit einem warmen Herzen voller neuer Freundschaft schlief die kleine Hexe Lulu ein. Schlaf gut, Lulu. Gute Nacht.
