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Die kleine Hexe Mimi und der Mutzauber

Mut machen · Selbstvertrauenab 5 4 Min.
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In einem windschiefen Häuschen am Rand des Zauberwaldes lebte die kleine Hexe Mimi mit ihrem Kater Schnurr. Mimi liebte das Zaubern, doch eine Sache machte ihr zu schaffen: Sie war ein klein wenig ängstlich. Vor dem dunklen Keller, vor lauten Geräuschen, vor allem Neuen.

„Ich wünschte, ich wäre mutiger“, seufzte Mimi eines Tages. „Es muss doch einen Zauberspruch für Mut geben!“ Sie blätterte in ihrem dicken, staubigen Zauberbuch. Und tatsächlich – ganz hinten fand sie eine Seite mit der Überschrift: „Der große Mutzauber“. Doch darunter stand nur: „Zu finden auf dem Gipfel des Nebelbergs.“

Der Nebelberg! Das war der höchste, dunkelste Berg weit und breit. Mimi schluckte. Allein der Gedanke ließ ihre Knie zittern. „Aber wenn ich den Mutzauber will“, sagte sie tapfer, „muss ich da wohl hinauf.“ Sie schnappte sich ihren Besen, setzte Kater Schnurr auf die Schulter und machte sich auf den Weg.

Der Pfad zum Nebelberg war nicht leicht. Mimi musste über einen rauschenden Bach springen – ihr Herz klopfte, doch sie sprang. Sie musste durch einen dunklen Tunnel – ihr wurde mulmig, doch sie ging hindurch. Sie musste an einem knarrenden Baum vorbei, der im Wind ächzte – sie fürchtete sich, doch sie lief weiter.

Je höher Mimi kletterte, desto dichter wurde der Nebel. „Ich kann fast nichts mehr sehen“, flüsterte sie. Doch sie dachte an den Mutzauber, der oben auf sie wartete, und kletterte weiter, einen vorsichtigen Schritt nach dem anderen. Schnurr schnurrte ihr aufmunternd ins Ohr.

Endlich, nach einem langen, mühsamen Aufstieg, erreichte Mimi den Gipfel. Dort stand ein alter steinerner Tisch, und darauf lag eine vergilbte Schriftrolle – der große Mutzauber. Mit zitternden Fingern rollte Mimi sie auf und las. Doch was dort stand, ließ sie staunen.

„Liebe Suchende“, stand da geschrieben. „Es gibt keinen Zauberspruch für Mut. Denn Mut ist kein Zauber, den man spricht. Mut ist das, was du gerade getan hast: Du hattest Angst – und bist trotzdem gegangen. Den ganzen Weg hierher hast du deinen Mut bewiesen. Er war die ganze Zeit in dir.“

Mimi ließ die Schriftrolle sinken und schaute den langen Weg zurück, den sie gekommen war: über den Bach, durch den Tunnel, an dem ächzenden Baum vorbei, den Nebelberg hinauf. „Das alles habe ich geschafft“, sagte sie staunend. „Und ich hatte solche Angst dabei.“ Ein warmes Gefühl von Stolz breitete sich in ihr aus.

Auf dem Heimweg flog Mimi fröhlich auf ihrem Besen durch den Abendhimmel, Schnurr schnurrte zufrieden auf ihrer Schulter. Sie brauchte keinen Zauberspruch mehr. Zu Hause in ihrem windschiefen Häuschen kuschelte sie sich glücklich in ihr Bett. „Mein Mut wohnt in mir“, dachte sie lächelnd und schlief zufrieden ein. Gute Nacht, kleine Mimi.