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Die kleine Giraffe und ihr langer Hals

Selbstvertrauenab 3 4 Min.
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In der weiten, goldenen Savanne lebte eine kleine Giraffe namens Gigi. Gigi hatte ein schönes geflecktes Fell und – wie alle Giraffen – einen sehr langen Hals. Doch Gigi mochte ihren langen Hals überhaupt nicht. „Er ist so lang und so albern“, seufzte sie. „Die anderen Tiere haben schöne kurze Hälse. Nur ich rage so komisch in die Höhe.“

Wenn Gigi die Antilopen mit ihren zierlichen Hälsen sah oder die Löwen mit ihren kräftigen, kurzen Nacken, wurde sie ganz traurig. „Warum muss ausgerechnet ich so einen langen Hals haben?“, klagte sie. Sie versuchte sogar, ihn einzuziehen und ganz klein zu machen, doch das tat weh und half natürlich gar nichts. Ihr Hals blieb lang.

Eines Tages spielten die jungen Tiere der Savanne am Rand eines Wäldchens. Es war ein sehr heißer Tag, und alle hatten Hunger. Doch das saftige, frische Laub wuchs nur ganz oben in den hohen Bäumen, viel zu hoch für die Antilopen, die Zebras und all die anderen. „Ach, hätten wir nur etwas Frisches zu fressen“, seufzten sie und schauten sehnsüchtig nach oben.

Gigi schaute auch nach oben – und merkte plötzlich, dass die saftigen Blätter für sie gar nicht hoch waren. Mit ihrem langen Hals reckte sie sich mühelos hinauf und konnte die zartesten Blätter ganz oben erreichen. „Schaut mal!“, rief sie. „Ich komme da ran!“ Sie pflückte ein großes Maul voll und – ohne lange zu überlegen – reichte sie es den anderen hungrigen Tieren hinunter.

„Oh, danke, Gigi!“, riefen die Antilopen und Zebras dankbar und fraßen die frischen Blätter. „Du kommst ja an das gute Laub, an das sonst keiner herankommt!“ Gigi pflückte fleißig weiter und versorgte alle mit den saftigsten Blättern. Zum ersten Mal in ihrem Leben war sie froh über ihren langen Hals.

Da kam die weise alte Giraffe vorbei und lächelte. „Siehst du, kleine Gigi“, sagte sie, „dein langer Hals ist kein Makel. Er ist dein ganz besonderes Geschenk. Damit kannst du Dinge erreichen, von denen die anderen nur träumen. Du kannst die höchsten Blätter pflücken, über die weiteste Savanne blicken und sogar nach den Sternen schauen.“

Gigi reckte ihren Hals hoch in die Luft und schaute über die ganze weite Savanne. Sie sah die fernen Berge, die glitzernden Wasserstellen und die Wolken am Himmel – Dinge, die die kurzhalsigen Tiere niemals sehen konnten. „Mein langer Hals ist ja wunderbar“, staunte sie. „Ich kann damit so viel mehr sehen und erreichen als alle anderen.“

Von diesem Tag an war Gigi stolz auf ihren langen Hals. Sie wurde die beste Blätterpflückerin der ganzen Savanne, und alle Tiere mochten sie dafür. „Zeig uns, was du da oben siehst!“, baten sie oft, und Gigi erzählte ihnen von den fernen Bergen und den ziehenden Wolken. Sie schämte sich nie wieder für ihren langen Hals.

Am Abend, als die Sonne rot über der Savanne unterging, legte sich Gigi zufrieden neben ihre Mama ins warme Gras und reckte ihren Hals ein letztes Mal hinauf zu den ersten funkelnden Sternen. „Ich mag meinen langen Hals jetzt“, sagte sie stolz und gähnte. „Mit ihm komme ich den Sternen ganz nah.“ Ein warmer Wind strich durch die Savanne, und glücklich mit sich selbst schlief die kleine Giraffe Gigi ein. Schlaf gut, Gigi. Gute Nacht.