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Die kleine Fledermaus und die Nacht

Mut machen · Gefühle (Wut/Angst)ab 5 4 Min.
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In einer alten Scheune, kopfüber an einem Balken hängend, lebte eine kleine Fledermaus namens Fritzi. Fledermäuse sind Nachttiere – sie schlafen am Tag und fliegen in der Nacht aus. Doch Fritzi hatte ein Problem: Sie fürchtete sich vor der Dunkelheit. „Es ist so schwarz da draußen“, zitterte sie. „Ich traue mich nicht zu fliegen.“

Während ihre Geschwister jeden Abend fröhlich in die Nacht hinausflatterten, blieb Fritzi ängstlich an ihrem Balken hängen. „Komm doch mit, Fritzi!“, riefen die anderen. Aber Fritzi schüttelte den Kopf. „Ich sehe doch nichts in der Dunkelheit. Ich fliege bestimmt gegen einen Baum.“ Und so blieb sie hungrig und allein zurück.

Ihre Mama hängte sich neben sie. „Liebe Fritzi“, sagte sie sanft, „du brauchst gar keine Angst vor der Dunkelheit zu haben. Weißt du, wir Fledermäuse haben eine Zauberkraft: Wir sehen nicht mit den Augen, sondern mit den Ohren. Komm, ich zeige es dir. Ruf einmal ganz laut und hör genau hin.“

Fritzi zögerte, dann stieß sie einen feinen, hohen Ruf aus. Und tatsächlich – der Ton kam zurück, wie ein Echo. „Hörst du?“, sagte Mama. „Der Ton prallt von den Dingen ab und kommt zu dir zurück. So weißt du genau, wo ein Baum ist, wo eine Wand, wo ein leckerer Käfer fliegt. Du brauchst kein Licht – deine Ohren zeigen dir den Weg.“

Vorsichtig ließ sich Fritzi vom Balken fallen und flatterte in die dunkle Scheune. Sie rief, lauschte dem Echo und wich geschickt einem Balken aus. Sie rief wieder und fand mühelos den Weg zum Scheunentor. „Ich sehe mit den Ohren!“, jubelte sie. „Ich weiß genau, wo alles ist!“ Ihre Angst begann zu schwinden.

Mutig flatterte Fritzi hinaus in die Nacht. Und was sie dort entdeckte, war wunderschön: Der Mond tauchte alles in sanftes Silber, Glühwürmchen tanzten wie kleine Sterne, und die Luft war erfüllt vom Duft der Nachtblumen, die nur im Dunkeln blühen. „Die Nacht ist ja gar nicht unheimlich“, staunte Fritzi. „Sie ist voller Wunder!“

Mit ihren feinen Ohren fing sie geschickt Mücken und Käfer und flog elegant zwischen den Bäumen hindurch. Ihre Geschwister staunten. „Fritzi, du fliegst ja wunderbar!“ Fritzi lachte glücklich. Sie war nicht mehr die ängstliche kleine Fledermaus – sie war eine echte Nachtfliegerin geworden.

Als der Morgen graute, kehrte Fritzi satt und zufrieden in die Scheune zurück und hängte sich kopfüber an ihren Balken. „Die Nacht ist mein Zuhause“, dachte sie glücklich, „und ich muss mich nicht mehr fürchten.“ Sie kuschelte sich in ihre Flügel und schlief zufrieden ein. Schlaf gut, kleine Fritzi.