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Die Katzen vom alten Dach

Freundschaft · Dankbarkeitab 5 4 Min.
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Auf dem Dach eines alten Hauses, hoch über der Stadt, lebten drei Katzen: die graue Stella, der getigerte Mauz und die schwarze Kira. Das Dach war ihr liebster Ort, denn dort gab es einen ganz besonderen Platz: einen warmen, sonnigen Ziegel, der den ganzen Tag die Sonne einfing. Es war das gemütlichste Sonnenplätzchen weit und breit – aber leider passte nur eine Katze darauf.

Und so gab es jeden Tag Streit. „Das ist mein Platz!“, fauchte Stella am Morgen und legte sich auf den warmen Ziegel. „Nein, ich war zuerst da!“, schimpfte Mauz und schubste sie weg. „Geht beide weg, der Platz gehört mir!“, rief Kira und drängte sich dazwischen. Sie zankten und fauchten, und am Ende war keine der drei glücklich. Statt die warme Sonne zu genießen, ärgerten sie sich nur.

Eines Morgens kam eine weise alte Katze namens Oma Schnurr über das Dach geschlichen. Sie sah die drei Katzen wieder einmal streiten. „Was ist denn hier los?“, fragte sie ruhig. „Der warme Ziegel!“, riefen alle drei durcheinander. „Jede will ihn für sich!“ Oma Schnurr schaute sich den Platz an und schüttelte sanft den Kopf. „So ein schöner Platz“, sagte sie, „und ihr macht euch nur Kummer damit.“

„Aber es passt doch nur eine von uns darauf“, sagte Stella. „Da habt ihr nicht richtig hingeschaut“, lächelte Oma Schnurr. „Schaut: Am Morgen scheint die Sonne hier auf den Ziegel. Aber am Mittag wandert sie weiter, dorthin auf die warme Regenrinne. Und am Nachmittag scheint sie dort drüben auf den breiten Sims, wo sogar zwei Katzen Platz haben.“

Die drei Katzen schauten überrascht. Daran hatten sie noch nie gedacht. „Das heißt“, sagte Mauz langsam, „es gibt gar nicht nur einen warmen Platz. Es gibt den ganzen Tag über verschiedene.“ „Genau“, sagte Oma Schnurr. „Ihr müsst nur teilen und der Sonne folgen. Dann hat jede von euch ein warmes Plätzchen, und niemand muss streiten.“

Die Katzen probierten es aus. Am Morgen lag Stella auf dem warmen Ziegel, während Mauz und Kira gemütlich daneben dösten. Am Mittag wanderten sie zur warmen Regenrinne, und am Nachmittag machten sie es sich zu dritt auf dem breiten Sonnensims gemütlich. Und siehe da – plötzlich war genug Wärme und Platz für alle.

„Das ist ja viel schöner“, schnurrte Kira zufrieden, als sie am Nachmittag zu dritt nebeneinander in der Sonne lagen. „Früher haben wir die ganze schöne Zeit mit Streiten verschwendet.“ Stella nickte. „Und jetzt genießen wir die Sonne zusammen. Zu dritt ist es sogar viel gemütlicher als allein.“ Mauz schnurrte zustimmend.

Von diesem Tag an stritten sich die drei Dachkatzen nie wieder um die Sonnenplätze. Sie folgten gemeinsam der Sonne über das Dach und genossen jeden warmen Strahl miteinander. Aus drei zänkischen Einzelgängern waren drei gute Freundinnen geworden, und das alte Dach wurde zum schönsten Ort der ganzen Stadt.

Am Abend, als die Sonne hinter den Dächern versank und der Himmel rosa und golden leuchtete, lagen Stella, Mauz und Kira eng aneinandergekuschelt auf dem noch warmen Sims. „Geteilte Wärme ist die schönste Wärme“, schnurrte Oma Schnurr im Vorbeigehen. Die ersten Sterne erschienen über der Stadt, ein lauer Wind strich über das Dach, und zufrieden und friedlich schliefen die drei Dachkatzen gemeinsam ein. Schlaf gut, ihr Dachkatzen. Gute Nacht.