Einmal im Jahr, in der hellsten Vollmondnacht, feierten die Hexen des Waldes ihr großes Mondfest. Jede Hexe brachte einen besonderen Zauber mit: Die eine ließ bunte Lichter tanzen, die andere zauberte fliegende Kuchen, eine dritte ließ es Sternenstaub regnen. Nur die schüchterne kleine Hexe Nelli wusste nicht, was sie beitragen sollte. „Ich kann doch gar nichts Besonderes“, seufzte sie.
Nelli schaute zu, wie die anderen Hexen ihre Festzauber übten. Sie alle konnten so beeindruckende Dinge. „Mein Zauber ist viel zu klein und unscheinbar“, dachte Nelli betrübt. „Ich kann nur ganz leise Glöckchen klingen lassen. Das braucht beim großen Fest doch niemand.“ Am liebsten hätte sie sich versteckt und gar nicht erst zum Fest gegangen.
Die alte Mondhexe bemerkte Nellis Kummer. „Warum so traurig, kleine Nelli?“, fragte sie. „Alle bringen so tolle Zauber zum Fest mit“, klagte Nelli. „Ich kann nur leise Glöckchen klingen lassen. Das ist doch nichts.“ Die Mondhexe lächelte. „Komm heute Abend zum Fest und bring deine Glöckchen mit“, sagte sie. „Du wirst sehen – jeder Zauber wird gebraucht, auch der leiseste.“
Das Mondfest begann, und eine Hexe nach der anderen zeigte ihren Zauber. Es wurde laut und bunt und fröhlich, mit tanzenden Lichtern, fliegenden Kuchen und sprühendem Sternenstaub. Doch nach einer Weile waren alle ganz aufgedreht und unruhig von all dem Trubel. Die kleinen Hexenkinder wurden quengelig und konnten gar nicht zur Ruhe kommen.
Da trat die alte Mondhexe vor. „Nelli“, sagte sie, „jetzt ist deine Zeit gekommen. Lass deine Glöckchen klingen.“ Schüchtern hob Nelli ihren Zauberstab und ließ ihre ganz leisen, zarten Glöckchen erklingen. Ein sanftes, silbernes Klingen breitete sich über den Festplatz aus, weich und beruhigend wie ein Schlaflied.
Und etwas Wunderbares geschah: Bei Nellis sanftem Glöckchenklang wurden alle ganz ruhig. Die aufgedrehten Hexenkinder beruhigten sich, kuschelten sich zusammen und lauschten verzaubert. Der ganze laute Trubel verwandelte sich in eine wohlige, friedliche Stimmung. „Wie schön das klingt“, seufzten alle. „So beruhigend und sanft.“
„Siehst du, Nelli?“, sagte die alte Mondhexe lächelnd. „Dein leiser Zauber war genau das, was gefehlt hat. Nach all dem lauten Trubel hat dein sanftes Glöckchenklingen allen Ruhe und Frieden geschenkt. Das konnte kein anderer Zauber.“ Nelli strahlte. Ihr kleiner, leiser Zauber war gar nicht unwichtig – er war das schönste Ende des ganzen Festes.
Die anderen Hexen umringten Nelli. „Dein Glöckchenzauber ist wunderbar!“, riefen sie. „So friedlich und schön. Bitte lass ihn noch einmal klingen!“ Nelli, die sich vorher so klein gefühlt hatte, war nun mächtig stolz. Sie hatte gelernt, dass auch ein leiser, sanfter Zauber etwas ganz Besonderes und Wertvolles sein kann.
Am Ende des Festes, als Nellis sanfte Glöckchen die ganze Hexenschar in eine wohlige Müdigkeit gewiegt hatten, kuschelte sich Nelli zufrieden in ihr Hexenbett. „Mein leiser Zauber wird gebraucht“, dachte sie glücklich. Der Vollmond leuchtete über dem Wald, die Glöckchen klangen ganz sanft nach, und stolz auf ihren besonderen Zauber schlief die kleine Hexe Nelli zufrieden ein. Schlaf gut, Nelli. Gute Nacht.
