Tief im Wald wohnte eine Hexe namens Krax, die einen ganz besonderen Schatz hütete: einen Strauch voller leuchtender Zauberbeeren. Diese Beeren schmeckten herrlich und gaben demjenigen, der sie aß, ein warmes, glückliches Gefühl. „Diese Beeren gehören mir ganz allein“, sagte Krax und bewachte ihren Strauch eifersüchtig. „Die teile ich mit niemandem.“
Eines Tages kam die freundliche Hexe Luna vorbei. Sie sah müde und hungrig aus. „Hallo Krax“, sagte Luna. „Oh, was für wunderbare Zauberbeeren! Ich bin den weiten Weg durch den Wald gewandert und habe großen Hunger. Würdest du mir vielleicht ein paar Beeren abgeben?“ Krax zögerte und stellte sich schützend vor ihren Strauch. „Such dir deine eigenen Beeren“, brummte sie.
Luna senkte traurig den Kopf und wollte schon weitergehen. Doch Krax bemerkte, wie hungrig und erschöpft ihre Besucherin war, und ein kleines schlechtes Gefühl regte sich in ihrem Herzen. „Eigentlich“, dachte Krax, „habe ich so viele Beeren, dass ich sie allein gar nicht alle essen kann. Und Luna sieht wirklich müde aus.“ Sie schaute auf ihren überreichen Beerenstrauch.
„Warte, Luna“, rief Krax schließlich. „Komm zurück. Ich … ich habe es mir anders überlegt. Ich teile meine Zauberbeeren mit dir.“ Luna drehte sich überrascht um. „Wirklich? Oh, danke, Krax!“ Gemeinsam setzten sie sich an den Strauch und aßen die leuchtenden Beeren. Und Krax bemerkte etwas Wunderbares: Mit Luna an ihrer Seite schmeckten die Beeren noch viel besser.
Und nicht nur das: Die Zauberbeeren gaben ein warmes, glückliches Gefühl – und dieses Gefühl wurde sogar noch stärker, wenn man die Beeren teilte! „Oh“, staunte Krax. „Geteilt schmecken sie ja doppelt so gut, und ich fühle mich viel glücklicher als sonst.“ Luna lächelte. „Das liegt daran, dass Teilen das Herz wärmt“, sagte sie.
Die beiden Hexen verbrachten einen wunderschönen Nachmittag zusammen, lachten, erzählten sich Geschichten und naschten Beeren. „Weißt du“, sagte Krax nachdenklich, „früher hatte ich all die Beeren für mich allein – aber ich war einsam dabei. Jetzt teile ich sie, und ich habe eine Freundin und bin viel glücklicher. Wie dumm, dass ich das nicht früher gemerkt habe.“
Von diesem Tag an war Krax nicht mehr die geizige Hexe, die ihren Beerenstrauch bewachte. Im Gegenteil – sie lud nun oft andere Waldbewohner zu ihren Zauberbeeren ein. Und je mehr sie teilte, desto mehr Freunde gewann sie und desto glücklicher wurde sie. „Geteilte Beeren sind die schönsten Beeren“, sagte Krax oft.
„Danke, dass du mir gezeigt hast, wie schön Teilen ist“, sagte Krax zu Luna. „Du hast mein Herz ein bisschen wärmer gemacht.“ Luna umarmte sie. „Dafür sind Freunde da“, sagte sie. Die beiden Hexen wurden die besten Freundinnen und teilten von da an alles miteinander.
Am Abend, satt und zufrieden, kuschelte sich Krax in ihr Hexenbett. „Heute habe ich gelernt zu teilen“, dachte sie glücklich, „und eine Freundin gewonnen.“ Der Mond schien durchs Fenster, der Zauberbeerenstrauch leuchtete sanft vor dem Häuschen, und mit einem warmen, großzügigen Herzen schlief die Hexe Krax zufrieden ein. Schlaf gut, Krax. Gute Nacht.
