In der allerletzten Nacht des Jahres, der Silvesternacht, machte sich die kleine Glücksfee Funkel auf den Weg. Einmal im Jahr, wenn die Glocken Mitternacht läuteten, durfte sie einem einzigen Menschen einen Herzenswunsch erfüllen. Funkel flog mit ihrem glitzernden Feenstaub über die festlich erleuchtete Stadt.
„Wem soll ich nur das Glück bringen?“, überlegte Funkel. Sie schwebte an hellen Fenstern vorbei, hinter denen fröhliche Feste gefeiert wurden. Doch dann sah sie ein kleines, dunkles Fenster ganz oben unter einem Dach. Dort saß eine alte Frau ganz allein und schaute traurig hinaus auf das Feuerwerk.
Funkel schwebte näher. Sie hörte, wie die alte Frau leise seufzte: „Ach, wäre ich heute Nacht nur nicht so allein. Ich wünschte, ich hätte jemanden, mit dem ich das neue Jahr begrüßen könnte.“ Funkels kleines Feenherz wurde ganz weich. „Diesen Wunsch“, beschloss sie, „werde ich erfüllen.“
Doch Funkel überlegte: Sollte sie einfach jemanden herzaubern? Nein, das fühlte sich nicht richtig an. Echtes Glück, das wusste sie, kann man nicht erzwingen. Also flog sie hinaus in die Nacht und suchte. Bald fand sie ein anderes einsames Fenster – einen alten Mann, der ebenso allein und traurig in die Silvesternacht blickte.
Funkel hatte eine Idee. Mit ihrem Feenstaub zauberte sie eine Spur aus warmem, glitzerndem Licht, die vom Fenster des alten Mannes bis zur Tür der alten Frau führte. Neugierig folgte der alte Mann dem freundlichen Leuchten, Schritt für Schritt, bis er an die Tür der alten Frau klopfte.
Die alte Frau öffnete überrascht. „Verzeihen Sie“, sagte der Mann, „ein wunderliches Licht hat mich hergeführt. Ich bin heute Nacht so allein – möchten Sie vielleicht gemeinsam das neue Jahr begrüßen?“ Die alte Frau strahlte. „Oh ja, von Herzen gern! Kommen Sie herein, ich mache uns einen heißen Tee.“
Und so saßen die beiden zusammen, tranken Tee, erzählten sich Geschichten und schauten gemeinsam dem bunten Feuerwerk zu. Als die Glocken Mitternacht läuteten, lachten sie und wünschten einander ein frohes neues Jahr. Aus zwei einsamen Menschen waren Freunde geworden. Funkel sah es vom Fensterbrett aus und strahlte vor Glück.
„Das war mein schönster Wunsch überhaupt“, dachte Funkel zufrieden. „Geteiltes Glück ist das allergrößte.“ Müde von ihrer Reise, aber mit einem warmen Herzen, flog die kleine Glücksfee zurück in den funkelnden Sternenhimmel. Dort kuschelte sie sich in eine weiche Wolke und schlief glücklich ein. Ein frohes neues Jahr, kleine Funkel. Schlaf gut.
