In der Savanne wurde ein großes Fest vorbereitet. Alle Tiere würden tanzen, und die Vorfreude war groß. Nur die junge Giraffe Tilda war traurig. „Ich kann doch gar nicht tanzen“, seufzte sie. „Meine Beine sind viel zu lang und schlaksig. Ich würde mich nur blamieren und über meine eigenen Beine stolpern.“
Tilda schaute zu, wie die anderen Tiere übten. Die Gazellen hüpften zierlich, die Zebras stampften im Takt, die Erdmännchen wirbelten herum. „Alle können so schön tanzen“, dachte Tilda neidisch. „Nur ich mit meinen staksigen langen Beinen kann das bestimmt nicht.“ Also beschloss sie, beim Fest lieber am Rand zu stehen und nur zuzuschauen.
Am Abend des Festes war die ganze Savanne fröhlich versammelt. Die Musik spielte, und alle Tiere tanzten. Tilda stand traurig am Rand. Da kam die weise alte Giraffe zu ihr. „Warum tanzt du nicht, Tilda?“, fragte sie. „Ich bin zu schlaksig“, sagte Tilda. „Ich kann nicht so zierlich tanzen wie die anderen.“
Die alte Giraffe lächelte. „Und warum versuchst du, wie die anderen zu tanzen?“, fragte sie. „Du bist eine Giraffe. Du musst nicht hüpfen wie eine Gazelle oder stampfen wie ein Zebra. Tanz so, wie es zu dir passt – mit deinem langen Hals und deinen langen Beinen. Hör auf die Musik und lass deinen Körper sich einfach bewegen, wie er möchte.“
Tilda war unsicher, aber sie wollte es versuchen. Zögernd trat sie auf die Tanzfläche. Sie schloss die Augen, lauschte der Musik und ließ ihren langen Hals sanft hin und her schwingen, im Takt der Melodie. Ihre langen Beine wiegten sich anmutig, und ihr Hals malte weiche Bögen in die Luft. Es fühlte sich auf einmal ganz natürlich an.
Als Tilda die Augen wieder öffnete, staunte sie: Alle Tiere hatten aufgehört zu tanzen und schauten ihr zu. „Oh nein“, dachte sie erschrocken, „jetzt lachen sie mich aus.“ Doch dann brach lauter Beifall los. „Tilda, das war wunderschön!“, riefen die Tiere. „So elegant kann nur eine Giraffe tanzen! Dein langer Hals schwingt ja wie ein anmutiger Tanz für sich.“
Tilda konnte es kaum glauben. Ihr schlaksiger Giraffentanz, vor dem sie sich so gefürchtet hatte, war der schönste des ganzen Festes! „Tanz weiter!“, riefen die Tiere begeistert, und Tilda tanzte, ihr langer Hals wiegte sich anmutig im Mondlicht, und alle bewunderten sie. Zum ersten Mal war sie richtig stolz auf ihren langen, eleganten Körper.
„Siehst du“, sagte die alte Giraffe, als Tilda glücklich von der Tanzfläche kam, „du musstest nicht tanzen wie die anderen. Du musstest nur deinen eigenen Tanz finden. Und der ist wunderschön, genau wie du.“ Tilda strahlte. Sie hatte gelernt, dass sie nicht wie jemand anderes sein musste, um etwas Schönes zu schaffen.
Am Abend, müde vom vielen Tanzen, legte sich Tilda glücklich ins weiche Gras. „Ich kann tanzen“, dachte sie stolz, „auf meine ganz eigene Art.“ Die Musik war verklungen, die Sterne funkelten über der Savanne, ein warmer Wind strich durchs Gras, und zufrieden mit sich selbst schlief die Giraffe Tilda mit einem Lächeln ein. Schlaf gut, Tilda. Gute Nacht.
