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Die Gänse fliegen nach Süden

Freundschaft · Mut machenab 5 4 Min.
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Der Herbst war gekommen, die Blätter wurden bunt, und die Luft wurde kühler. Für die Wildgänse bedeutete das: Es war Zeit für die große Reise in den warmen Süden. Die ganze Schar bereitete sich vor – nur die kleine Gans Greta hatte Angst. „Der Weg ist so weit“, sagte sie. „Das schaffe ich nie.“

„Komm, Greta“, riefen die anderen Gänse. „Wir fliegen alle zusammen!“ Doch Greta schaute ängstlich in den weiten Himmel. „So viele Kilometer“, dachte sie. „Was, wenn ich müde werde und nicht mehr weiterkann? Was, wenn ich den Schwarm verliere?“ Ihre kleinen Flügel zitterten.

Die alte Leitgans Greta bemerkte ihre Sorge. „Liebe Greta“, sagte sie sanft, „du musst die ganze Reise gar nicht allein schaffen. Schau, wie wir fliegen – immer in einer großen Keilformation, einer hinter dem anderen. Der vorderste Vogel teilt den Wind, und alle dahinter haben es leichter. So tragen wir uns gegenseitig.“

„Und wenn einer müde wird“, fuhr die Leitgans fort, „dann fliegt er einfach nach hinten und ruht sich im Windschatten der anderen aus, während ein frischer Vogel nach vorn geht. So wechseln wir uns ab. Niemand muss die ganze Strecke allein an der Spitze fliegen. Gemeinsam schaffen wir es.“ Greta hörte gespannt zu. Das klang gar nicht mehr so unmöglich.

Am nächsten Morgen stieg die ganze Schar in den Himmel auf, und Greta flog mittendrin, sicher eingebettet in die große Keilformation. Und tatsächlich – im Windschatten der anderen Gänse flog es sich viel leichter. Sie spürte, wie der Schwarm sie trug, und ihre Angst wurde mit jedem Flügelschlag kleiner.

Als Greta nach einer Weile müde wurde, ließ sie sich nach hinten zurückfallen, wo der Wind sanfter war, und eine kräftige Gans übernahm vorne ihren Platz. Greta ruhte sich aus, und bald hatte sie wieder Kraft. „So funktioniert das also“, dachte sie staunend. „Zusammen ist die Reise gar nicht so schwer.“

Tag für Tag flog der Schwarm weiter, über Wälder, Berge und Meere, immer gemeinsam, immer einer für den anderen. Greta gewann an Kraft und Mut, und manchmal flog sogar sie eine Weile mutig an der Spitze. „Ich schaffe es!“, jubelte sie. „Weil wir alle zusammenhalten.“

Endlich erreichten die Gänse den warmen Süden, wo die Sonne schien und es genug zu fressen gab. Müde, aber überglücklich ließ sich Greta an einem ruhigen See nieder, eng bei ihrem Schwarm. „Gemeinsam schafft man jede Strecke“, dachte sie zufrieden und steckte den Kopf unter den Flügel. Friedlich schlief die kleine Gans ein. Schlaf gut, kleine Greta.