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Die Fee, die sich das Fliegen zutraute

Mut machen · Selbstvertrauenab 5 4 Min.
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Im Feenreich hinter dem Regenbogen lebte eine kleine Fee namens Tilda. Vor Kurzem erst waren ihr endlich die Flügel gewachsen – wunderschöne, schimmernde Flügel, so zart wie Libellenflügel. Doch obwohl alle anderen jungen Feen schon fröhlich umherflatterten, traute sich Tilda nicht abzuheben. Sie blieb lieber am Boden und schaute den anderen sehnsüchtig zu.

„Komm doch fliegen, Tilda!“, riefen die anderen Feen aus der Luft. „Es ist herrlich!“ Tilda schaute an sich hinunter zu ihren neuen Flügeln. „Was, wenn sie mich nicht tragen?“, dachte sie ängstlich. „Was, wenn ich abstürze?“ Sie faltete die Flügel lieber zusammen und blieb sicher auf dem weichen Moosboden sitzen.

Die alte Feenlehrerin setzte sich neben Tilda. „Du möchtest so gern fliegen, nicht wahr?“, fragte sie freundlich. Tilda nickte traurig. „Aber ich traue mich nicht. Ich habe Angst.“ Die Lehrerin lächelte. „Weißt du, jede Fee hat beim ersten Flug Angst. Deine Flügel sind stark und bereit. Du musst ihnen nur vertrauen – und dir selbst. Komm, ich helfe dir.“

„Wir fangen ganz klein an“, sagte die Lehrerin. „Steig auf diesen kleinen Pilz und lass dich einfach hinuntergleiten. Spür, wie deine Flügel dich tragen.“ Tilda kletterte zögernd auf den kleinen Pilz, breitete ihre Flügel aus und ließ sich vorsichtig hinabgleiten. Ganz sanft schwebte sie zu Boden. „Oh!“, rief sie überrascht. „Sie haben mich getragen!“

„Siehst du?“, sagte die Lehrerin. „Nun von diesem etwas höheren Stein.“ Tilda wagte sich höher, und wieder trugen ihre Flügel sie sanft hinab. Mit jedem kleinen Gleitflug wuchs ihr Mut, und das Kribbeln in ihrem Bauch verwandelte sich langsam in freudige Aufregung. „Es macht ja Spaß!“, lachte Tilda und wagte sich immer höher.

Schließlich stand Tilda auf einem hohen Blütenstängel, der sich sanft im Wind wiegte. Diesmal wollte sie nicht nur gleiten – diesmal wollte sie richtig fliegen. Ihr Herz klopfte. „Ich schaff das“, sagte sie zu sich selbst. Sie holte tief Luft, breitete ihre schimmernden Flügel weit aus und sprang.

Und dann geschah es: Statt zu fallen, begann Tilda zu schweben. Ihre Flügel summten, fingen den Wind, und plötzlich flog sie wirklich! Höher und höher stieg sie, über die Blumen, über das Moos, hinauf in den sonnigen Feenhimmel. „Ich fliege!“, jubelte sie. „Ich fliege wirklich!“ Der Wind trug sie, und ein Gefühl von purer Freiheit und Freude durchströmte sie.

Die anderen Feen umringten sie jubelnd. „Du fliegst, Tilda! Du hast es geschafft!“ Gemeinsam zogen sie ihre Kreise durch die Luft, lachten und tanzten zwischen den Wolken. Tilda strahlte über das ganze Gesicht. Sie hatte solche Angst gehabt – und nun war Fliegen das Wunderbarste, das sie kannte. „Ich musste meinen Flügeln nur vertrauen“, dachte sie stolz.

Am Abend, als das Feenreich in sanftes Dämmerlicht getaucht war, ließ sich Tilda müde und glücklich auf einer weichen Wolke nieder. „Morgen fliege ich wieder“, gähnte sie zufrieden, „noch viel höher.“ Die Sterne funkelten über dem Feenreich, ein milder Wind wiegte die Wolke sanft, und stolz auf ihren ersten Flug schlief die kleine Fee Tilda glücklich ein. Schlaf gut, Tilda. Gute Nacht.