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Die erste Nacht bei Oma

Mut machen · Gefühle (Wut/Angst)ab 3 5 Min.
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Heute war ein aufregender Tag: Lotta durfte zum ersten Mal ganz allein bei Oma übernachten, ohne Mama und Papa. Tagsüber freute sie sich darauf. Doch als der Abend kam und Mama und Papa sich verabschiedeten, wurde Lotta auf einmal ganz bange. „Ich will doch lieber nach Hause“, sagte sie leise und hielt Mamas Hand fest. „Was, wenn ich euch in der Nacht vermisse?“

Mama kniete sich zu ihr. „Es ist ganz normal, dass du ein bisschen aufgeregt bist“, sagte sie. „Aber weißt du was? Oma passt ganz lieb auf dich auf, und ihr habt bestimmt einen wunderschönen Abend. Und falls du uns vermisst – schau, hier in deiner Tasche ist ein Foto von uns. Und morgen früh nach dem Frühstück holen wir dich wieder ab. Die Nacht vergeht ganz schnell, du wirst sehen.“ Sie gab Lotta einen Kuss.

Als Mama und Papa gegangen waren, war Lotta erst ein bisschen still. Doch Oma lächelte und sagte: „So, meine kleine Lotta, jetzt machen wir es uns gemütlich. Was hältst du davon, wenn wir zusammen Kakao kochen und Plätzchen backen?“ Lottas Augen leuchteten ein wenig auf. Kakao und Plätzchen mit Oma – das klang schön. „Ja!“, sagte sie. Und so standen die beiden bald gemeinsam in Omas warmer Küche.

Sie rührten den Teig, stachen mit Förmchen Sterne und Herzen aus und naschten dabei heimlich ein bisschen Teig. Es roch herrlich nach Vanille, und Oma erzählte lustige Geschichten von früher, als Mama selbst noch ein kleines Mädchen war. Lotta lachte und vergaß ganz, dass sie eben noch traurig gewesen war. „Oma“, sagte sie kauend, „bei dir ist es richtig gemütlich.“

Nach dem Backen kuschelten sich Lotta und Oma auf das Sofa, jede mit einer warmen Tasse Kakao. Oma holte ein altes Fotoalbum hervor und zeigte Lotta Bilder von Mama als Kind. „Schau, hier hat deine Mama auch das erste Mal bei mir übernachtet“, sagte Oma. „Und weißt du was? Auch sie war erst ein bisschen bange. Aber dann hat es ihr so gut gefallen, dass sie immer wieder kommen wollte.“ Lotta staunte. „Mama hatte auch Angst?“ „Ein kleines bisschen“, lächelte Oma. „Das ist ganz normal.“

Als es Zeit zum Schlafen wurde, brachte Oma Lotta in ein gemütliches Gästebett, das sie extra schön mit Lottas Lieblingsdecke von zu Hause hergerichtet hatte. „Mama hat mir gesagt, welche Decke du am liebsten magst“, sagte Oma. Lotta kuschelte sich hinein – die Decke roch ein bisschen nach Zuhause, und das fühlte sich gut an. Auf dem Nachttisch stellte sie das Foto von Mama und Papa auf.

Doch als das Licht ausging, wurde Lotta dann doch noch einmal ein bisschen bange. Das Zimmer war fremd, die Geräusche waren anders als zu Hause. „Oma?“, rief sie leise. Sofort kam Oma herein und setzte sich zu ihr. „Ich bin da, mein Schatz“, sagte sie sanft. „Vermisst du Mama und Papa?“ Lotta nickte. „Ein bisschen.“ Oma streichelte ihr über das Haar. „Das ist in Ordnung. Soll ich dir noch eine Geschichte erzählen, bis du einschläfst?“

Oma erzählte mit ihrer warmen, ruhigen Stimme eine wunderschöne Geschichte von einem kleinen Mädchen, das bei seiner Oma die schönsten Abenteuer erlebte. Lottas Augenlider wurden langsam schwer. Omas Stimme war so sanft und vertraut, und das Bett war so warm und weich. „Mama und Papa denken jetzt bestimmt auch an mich“, dachte Lotta verschlafen und schaute auf das Foto. „Und morgen früh sehe ich sie wieder.“

„Weißt du“, flüsterte Oma, „auch wenn Mama und Papa heute Nacht nicht hier sind – sie haben dich genauso lieb wie immer. Und ich bin die ganze Nacht im Zimmer nebenan. Du bist nie allein.“ Lotta fühlte sich geborgen und sicher. Die fremden Geräusche machten ihr keine Angst mehr, denn sie wusste: Oma war ganz nah. „Danke, Oma“, murmelte sie. „Bei dir ist es schön.“

Und so schlief Lotta in ihrer ersten Nacht bei Oma ein – ruhig und zufrieden, eingekuschelt in ihre vertraute Decke, mit dem Foto von Mama und Papa auf dem Nachttisch und Oma ganz in der Nähe. Sie schlief tief und fest und träumte von Sternen und Plätzchen.

Am nächsten Morgen, als die Sonne ins Zimmer schien, wachte Lotta auf und brauchte einen Moment, um sich zu erinnern, wo sie war. Und dann strahlte sie: Sie hatte die ganze Nacht bei Oma geschlafen! „Oma!“, rief sie und lief in die Küche, wo es schon nach frischen Brötchen duftete. „Ich hab ganz allein bei dir übernachtet!“ Oma lachte und umarmte sie. „Das hast du, meine Tapfere. Und war es schön?“ „Ja!“, rief Lotta. „Ganz wunderbar!“

Als Mama und Papa sie abholten, sprudelte Lotta nur so über vom Kakao, den Plätzchen und Omas Geschichten. „Ich hatte erst ein bisschen Angst“, gab sie zu, „aber dann war es toll. Darf ich bald wieder bei Oma übernachten?“ Mama und Papa lachten und drückten sie stolz. So hatte Lotta gelernt: Manchmal ist man erst ein bisschen bange vor etwas Neuem – und dann wird es eine der schönsten Erfahrungen überhaupt. Schlaf gut, Lotta. Gute Nacht.