schlummerdrache.de – Gute-Nacht-Geschichten

Die Ente, die nicht schwimmen wollte

Mut machen · Selbstvertrauenab 3 3 Min.
Schrift

Am Rand eines glitzernden Teiches lebte eine Entenfamilie. Die Mutter und die fünf Entenküken plumpsten jeden Morgen fröhlich ins Wasser und schwammen umher. Alle fünf – bis auf das kleinste Küken, Edda. Edda stand immer am Ufer und traute sich nicht hinein. „Das Wasser ist so tief und nass“, sagte sie ängstlich.

„Komm, Edda, schwimm mit uns!“, riefen ihre Geschwister vergnügt aus dem Wasser. „Es ist herrlich!“ Doch Edda schüttelte den Kopf und watschelte ein Stück vom Ufer zurück. „Was, wenn ich untergehe?“, dachte sie. „Nein, ich bleibe lieber hier am sicheren Land.“ Und so schaute sie nur sehnsüchtig zu, wie die anderen planschten.

Mama Ente watschelte zu ihr ans Ufer. „Mein kleines Küken“, sagte sie sanft, „weißt du, dass wir Enten zum Schwimmen geboren sind? Dein weiches Federkleid trägt dich von ganz allein. Du kannst gar nicht untergehen. Aber du musst es nicht eilig haben. Wir gehen ganz langsam, einen kleinen Schritt nach dem anderen.“

„Komm“, sagte Mama, „wir gehen erst einmal nur mit den Füßen ins flache Wasser am Ufer.“ Vorsichtig tippte Edda mit einem Fuß ins kühle Wasser. Es kitzelte angenehm. Dann der zweite Fuß. Sie stand nun im seichten Wasser, und es war gar nicht schlimm. „Siehst du?“, sagte Mama. „Und jetzt watschelst du langsam ein kleines Stück weiter.“

Edda watete Schritt für Schritt tiefer, bis das Wasser ihren Bauch erreichte. Und plötzlich spürte sie es: Das Wasser trug sie! Ihre Füße hoben vom Boden ab, und sie schwamm – ganz von allein! „Ich schwimme!“, quakte Edda überrascht und glücklich. „Ich schwimme wirklich!“ Ihr weiches Federkleid hielt sie sicher oben.

Vor lauter Freude paddelte Edda los, immer schneller, im Kreis und kreuz und quer. Es war wunderbar! Das Wasser war so kühl und angenehm, und das Schwimmen machte riesigen Spaß. „Warum hatte ich nur solche Angst?“, lachte sie. Ihre Geschwister kamen herbeigeschwommen, und gemeinsam tauchten und planschten sie fröhlich im Teich.

„Du hast es geschafft, Edda!“, freute sich Mama Ente stolz. „Du musstest dich nur ganz langsam herantrauen.“ Edda strahlte. Den ganzen Tag schwamm sie nun mit ihrer Familie über den glitzernden Teich und konnte gar nicht mehr aufhören. Das Wasser, vor dem sie sich so gefürchtet hatte, war zum schönsten Ort geworden.

Am Abend, müde vom vielen Schwimmen, kuschelte sich Edda ins warme Nest, eng an ihre Familie. „Ich kann schwimmen“, dachte sie stolz und glücklich. „Ich musste nur den ersten kleinen Schritt wagen.“ Sanft vom Teich gewiegt, steckte das kleine Entenküken den Kopf unter den Flügel und schlief zufrieden ein. Schlaf gut, kleine Edda.