Einmal im Jahr, in der hellsten Vollmondnacht, feierten die Einhörner im Tal das große Mondfest. Jedes Einhorn brachte etwas Schönes mit: Das eine zauberte leuchtende Blumen, das andere sang ein wunderschönes Lied, ein drittes ließ Sternenstaub regnen. Nur das kleine Einhorn Pii wusste nicht, was es beitragen sollte. „Ich kann doch gar nichts Besonderes“, seufzte es traurig.
Pii schaute zu, wie die anderen Einhörner ihre Beiträge übten. „Ich kann nicht so schön singen“, dachte es, „und meinen Zauber kann ich noch nicht so gut. Ich werde das Einzige sein, das nichts zum Fest beiträgt.“ Je näher das Mondfest rückte, desto trauriger wurde Pii. Am liebsten hätte es sich versteckt.
Die weise alte Mondstute bemerkte Piis Kummer. „Warum so betrübt, kleines Pii?“, fragte sie. „Alle bringen etwas zum Mondfest mit“, klagte Pii, „nur ich kann nichts.“ Die Mondstute lächelte. „Das glaube ich nicht“, sagte sie. „Jeder kann etwas. Manchmal sieht man seine eigene Gabe nur nicht. Sag mir, Pii, was machst du am allerliebsten?“
Pii überlegte. „Am liebsten“, sagte es, „höre ich anderen zu und mache sie fröhlich, wenn sie traurig sind. Und ich freue mich von ganzem Herzen, wenn andere etwas Schönes zeigen.“ Die Mondstute nickte langsam. „Siehst du“, sagte sie. „Das ist eine ganz besondere Gabe. Vielleicht ist gerade das dein Geschenk für das Fest.“ Pii verstand noch nicht ganz, was sie meinte.
Das Mondfest begann, und ein Einhorn nach dem anderen zeigte seinen Beitrag. Doch das Einhorn Talu, das ein wunderschönes Lied singen wollte, bekam plötzlich Lampenfieber. Es stand zitternd da und brachte keinen Ton heraus. „Ich kann nicht“, flüsterte Talu verzweifelt. Da trat Pii zu ihm. „Du schaffst das“, sagte es sanft. „Ich höre dir zu, und ich glaube an dich. Sing einfach für mich.“
Talu schaute in Piis freundliche, ermutigende Augen, und auf einmal war die Angst wie weggeblasen. Es holte tief Luft und sang – schöner und klarer als je zuvor. Alle Einhörner lauschten verzaubert. Als Talu geendet hatte, brandete Beifall auf. „Danke, Pii“, flüsterte Talu. „Ohne dein Zureden hätte ich es nie geschafft.“
Und so ging es weiter. Wo immer ein Einhorn unsicher war oder etwas misslang, war Pii zur Stelle, hörte zu, machte Mut und freute sich am lautesten über jeden schönen Beitrag. Am Ende des Festes trat die Mondstute vor. „Das schönste Geschenk dieses Mondfestes“, verkündete sie, „kam von Pii. Denn Pii hat allen anderen Mut gemacht und sich von Herzen mitgefreut.“
Pii konnte es kaum glauben. „Aber ich habe doch gar nichts gezaubert oder gesungen“, sagte es verlegen. „Du hast etwas viel Wertvolleres getan“, sagte die Mondstute. „Du hast anderen geholfen zu strahlen. Das ist eine seltene und wunderbare Gabe.“ Alle Einhörner umringten Pii und bedankten sich. Pii war ganz warm ums Herz.
Am Abend, als der Vollmond am hellsten leuchtete und das Fest zu Ende ging, kuschelte sich Pii glücklich in die weiche Wiese. „Ich kann doch etwas Besonderes“, dachte es zufrieden. „Ich kann andere zum Leuchten bringen.“ Der Mond leuchtete sanft über dem Tal, die Sterne funkelten, und mit einem warmen, glücklichen Herzen schlief das kleine Einhorn Pii zufrieden ein. Schlaf gut, Pii. Gute Nacht.
