Im Eichhörnchenwald gab es einen Lieblingsplatz aller Tiere: den großen Haselnussstrauch auf der anderen Seite des Baches. Dort wuchsen die süßesten, dicksten Haselnüsse weit und breit. Bisher waren die Eichhörnchen einfach über einen umgestürzten Baumstamm gelaufen, der wie eine Brücke über den Bach lag. Doch eines Nachts kam ein heftiger Sturm.
Am Morgen war der Schreck groß: Der Sturm hatte den Baumstamm fortgerissen. Der Bach rauschte breit und wild dahin, und es gab keinen Weg mehr hinüber zum Haselnussstrauch. „Oh nein“, jammerte das kleine Eichhörnchen Filu. „Jetzt kommen wir nie mehr an die guten Nüsse.“ Traurig saßen die Eichhörnchen am Ufer und schauten zum unerreichbaren Strauch hinüber.
„Wir müssen eine neue Brücke bauen“, sagte das kluge Eichhörnchen Mona. „Aber wie?“, fragte Filu. „Der Bach ist so breit, und wir sind so klein.“ Mona dachte nach. „Allein schafft das keiner von uns“, sagte sie. „Aber wir sind viele. Wenn jeder ein bisschen hilft, dann schaffen wir es gemeinsam.“ Die anderen Eichhörnchen schauten sie zweifelnd an.
Mona erklärte ihren Plan. „Wir sammeln alle zusammen kleine Äste und Zweige. Jeder bringt, was er tragen kann. Und dann legen wir sie Stück für Stück über die schmalste Stelle des Baches, bis eine neue Brücke entsteht.“ Die Eichhörnchen fanden den Plan gut, und so machten sich alle ans Werk – die Großen und die Kleinen.
Den ganzen Tag schleppten sie Zweige herbei. Filu trug kleine Ästchen, die Großen schoben dicke Äste, und gemeinsam stapelten sie alles an der schmalsten Stelle des Baches. Manchmal rutschte ein Ast ins Wasser, und sie mussten von vorn beginnen. Aber sie gaben nicht auf. „Zusammen schaffen wir das“, rief Mona immer wieder, und alle halfen mit.
Als die Sonne schon tief stand, war es endlich so weit: Eine kleine, stabile Brücke aus Zweigen und Ästen spannte sich über den Bach. Vorsichtig setzte Filu eine Pfote darauf. Die Brücke hielt! „Sie trägt!“, jubelte er und huschte als Erster hinüber. Einer nach dem anderen folgten die Eichhörnchen, bis alle drüben beim Haselnussstrauch waren.
Wie sie sich freuten! Sie knabberten die süßesten Haselnüsse und feierten ihre neue Brücke. „Das hätte keiner von uns allein geschafft“, sagte Mona stolz. „Aber zusammen haben wir es geschafft.“ Filu nickte mit vollen Backen. „Gemeinsam sind wir stark“, sagte er glücklich. „Viel stärker als allein.“
Von nun an war die kleine Brücke der Stolz des ganzen Waldes. Und jedes Mal, wenn die Eichhörnchen hinüberliefen, erinnerten sie sich daran, wie sie gemeinsam etwas geschafft hatten, das allein unmöglich gewesen wäre. Sogar andere Tiere durften die Brücke benutzen, und alle waren dankbar.
Am Abend, satt und müde, kuschelten sich die Eichhörnchen in ihre Kobel. „Was für ein schöner Tag“, gähnte Filu. „Wir haben eine Brücke gebaut!“ Die Sterne spiegelten sich im Bach, der nun ganz friedlich plätscherte, und die neue Brücke glänzte sanft im Mondlicht. Zufrieden und stolz auf ihre gemeinsame Arbeit schliefen die kleinen Eichhörnchen ein. Schlaf gut, ihr fleißigen Baumeister. Gute Nacht.
