In einem hohen Turm am Rand des Dorfes wohnte ein weiser alter Zauberer mit seinem kleinen Zauberlehrling Theo. Theo bewunderte seinen Meister über alles. Wie leicht der Zauberer die schönsten Dinge zauberte: schwebende Lichter, sprießende Blumen, funkelnde Sterne. „Eines Tages kann ich das auch“, dachte Theo. „Vielleicht sogar heute schon!“
Doch so sehr Theo sich auch anstrengte, sein Zaubern wollte nicht klappen. Er schwang den Zauberstab, sprach die Sprüche – und nichts geschah. Oder es ging etwas schief: Statt eines Lichts erschien ein Frosch, statt einer Blume eine Wolke aus Rauch. „Ich werde nie ein richtiger Zauberer“, seufzte Theo enttäuscht und ließ den Zauberstab sinken.
Der alte Zauberer setzte sich zu seinem Lehrling. „Was bedrückt dich, mein Junge?“, fragte er freundlich. „Mein Zaubern klappt nie“, klagte Theo. „Immer geht etwas schief.“ Der Zauberer lächelte. „Weißt du, Theo“, sagte er, „auch ich konnte als kleiner Zauberlehrling nicht zaubern. Die Zauberkunst braucht Zeit und Geduld. Du darfst dich nicht entmutigen lassen.“
„Der wichtigste Teil eines Zaubers“, fuhr der Zauberer fort, „ist nicht der Zauberstab und nicht der Spruch. Es ist, dass du ganz ruhig wirst und dir genau vorstellst, was du zaubern möchtest. Schließ die Augen, atme tief durch und sieh das Bild ganz deutlich vor dir. Dann folgt der Zauber von ganz allein.“ Theo nickte und beschloss, es so zu versuchen.
Theo schloss die Augen, atmete tief durch und wurde ganz ruhig. Er stellte sich ein kleines, warmes Licht vor – ganz deutlich, hell und schön. Dann sprach er langsam den Zauberspruch und schwang sanft den Zauberstab. Und als er die Augen öffnete, schwebte vor ihm tatsächlich ein kleines, warm leuchtendes Licht! „Ich hab gezaubert!“, jubelte Theo. „Schau, Meister, ein Licht!“
Der alte Zauberer strahlte vor Stolz. „Wunderbar, Theo!“, sagte er. „Siehst du? Du musstest nur ruhig werden und an dich glauben. Das war dein erster echter Zauber.“ Theo betrachtete glücklich sein kleines Licht. Es war zwar nur winzig, aber es war sein eigener, erster Zauber, und er war mächtig stolz darauf.
Von da an übte Theo jeden Tag, geduldig und ohne sich zu ärgern. Mit der Zeit gelang ihm immer mehr: Aus dem kleinen Licht wurden viele Lichter, dann schwebende Sterne, dann sogar kleine, leuchtende Schmetterlinge. „Je mehr du übst, desto mehr kannst du“, sagte der Zauberer. Und Theo merkte, dass er mit Geduld tatsächlich immer besser wurde.
„Ich werde ein richtig guter Zauberer“, sagte Theo stolz, „weil ich nicht aufgegeben habe.“ Er schämte sich nicht mehr für seine Anfänge, sondern war stolz darauf, wie weit er schon gekommen war. Und der alte Zauberer war der stolzeste Lehrmeister weit und breit.
Am Abend, müde vom vielen Üben, zauberte Theo sich ein letztes, sanftes Licht über sein Bett, das wie ein kleines Nachtlicht leuchtete. „Ich kann zaubern“, dachte er zufrieden und ließ das Licht ganz langsam weicher werden. Der Mond schien durchs Turmfenster, die Sterne funkelten, und glücklich und stolz schlief der kleine Zauberlehrling Theo zufrieden ein. Schlaf gut, Theo. Gute Nacht.
