Der Zauberlehrling Nico sollte den großen Zauberturm putzen, während sein Meister, der alte Zauberer, verreist war. „Wische den Boden, trage Wasser und mach alles schön sauber“, hatte der Meister gesagt. Doch Nico hatte überhaupt keine Lust auf die viele Arbeit. „Das dauert ja ewig“, brummte er. Da hatte er eine Idee: „Ich verzaubere einfach den Besen, dann macht der die Arbeit für mich!“
Nico hatte heimlich gesehen, wie sein Meister Gegenstände zum Leben erweckte. Er schwang den Zauberstab und sprach den Spruch über den alten Besen. Und tatsächlich – der Besen erwachte zum Leben, schnappte sich einen Eimer und begann, fleißig den Boden zu wischen! „Ha!“, freute sich Nico und legte sich gemütlich hin. „So ist das viel bequemer.“
Der Besen wischte und wischte, immer schneller und fleißiger. Doch bald merkte Nico, dass etwas nicht stimmte. Der Besen trug immer mehr Wasser herbei, viel mehr, als nötig war. Der Boden war längst sauber, doch der Besen hörte nicht auf. Eimer um Eimer schüttete er aus, bis das Wasser im ganzen Turm zu steigen begann. „Halt!“, rief Nico. „Stopp! Es ist genug!“
Doch der Besen hörte nicht auf ihn. Er wischte und schöpfte weiter, unermüdlich, und das Wasser stieg höher und höher. Nico bekam es mit der Angst zu tun. „Oje“, dachte er. „Ich weiß ja gar nicht, wie man den Zauber wieder beendet! Ich habe einfach drauflosgezaubert.“ Verzweifelt versuchte er, den Besen festzuhalten, doch der war zu stark.
Das Wasser stand schon knöcheltief im Turm. Nico setzte sich hin und dachte angestrengt nach. „Ich muss ruhig bleiben und überlegen“, sagte er sich. „Mein Meister hat gesagt, jeder Zauber hat einen Anfang und ein Ende. Ich habe den Besen mit einem Spruch geweckt – also muss ich ihn mit einem Spruch auch wieder einschläfern.“ Nico erinnerte sich an die Worte seines Meisters und sprach sie rückwärts.
Und tatsächlich – der Besen hielt inne, stellte den Eimer ab, lehnte sich brav in die Ecke und war wieder ein ganz normaler Besen. Nico atmete erleichtert auf. Doch nun stand der ganze Turm voll Wasser. „Das habe ich jetzt davon“, seufzte Nico. Und so musste er das ganze Wasser ganz allein und ganz ohne Zauber hinausschöpfen – die ganze Arbeit, die er sich hatte sparen wollen, und noch viel mehr.
Als der alte Zauberer zurückkehrte, gestand Nico ihm alles. „Es tut mir leid, Meister“, sagte er. „Ich war zu faul für die Arbeit und habe einen Zauber benutzt, den ich gar nicht beherrschte.“ Der Zauberer schaute ihn ernst, aber freundlich an. „Du hast eine wichtige Lektion gelernt“, sagte er. „Man darf keine Kräfte benutzen, die man nicht beherrscht. Und Arbeit, die einem aufgetragen wird, sollte man ehrlich selbst erledigen.“
Nico nickte beschämt, aber auch ein bisschen stolz, denn er hatte ja selbst eine Lösung gefunden, um den Besen zu stoppen. „Von jetzt an mache ich meine Arbeit selbst“, versprach er, „und zaubere nur, was ich auch wirklich kann.“ Der Zauberer lächelte. „Das ist die Weisheit eines guten Zauberers“, sagte er.
Am Abend, müde von all dem Wasserschöpfen, kuschelte sich Nico in sein Bett. „Heute habe ich gelernt, Verantwortung zu übernehmen“, dachte er. Der Besen stand brav in der Ecke, der Mond schien durchs Turmfenster, und mit einem klügeren Herzen schlief der Zauberlehrling Nico zufrieden ein. Schlaf gut, Nico. Gute Nacht.
