In einem alten Turm am Rande der Stadt lebte ein junger Zauberer namens Tom. Tom war stolz auf seinen glänzenden Zauberstab, mit dem er die schönsten Kunststücke vorführte: Blumen aus dem Nichts, bunte Funken und schwebende Bälle. „Ohne meinen Zauberstab“, sagte Tom oft, „könnte ich gar nichts.“
Eines Tages wurde Tom zum großen Stadtfest eingeladen, um vor allen Kindern zu zaubern. Es war seine wichtigste Vorführung überhaupt. Doch als er sich vorbereiten wollte, suchte er seinen Zauberstab vergeblich. Er war weg! „Oh nein“, rief Tom panisch. „Ohne meinen Stab bin ich verloren! Ich kann nicht auftreten!“
Tom durchsuchte den ganzen Turm – unter dem Bett, in den Truhen, zwischen den dicken Zauberbüchern. Doch der Zauberstab blieb verschwunden. Die Zeit verrann, und draußen warteten schon die Kinder. Verzweifelt setzte sich Tom auf die Treppe. „Was soll ich nur tun?“, seufzte er.
Da klopfte seine alte Lehrmeisterin, die weise Zauberin Ada, an die Tür. „Warum so verzagt, Tom?“, fragte sie. „Ich habe meinen Zauberstab verloren“, klagte Tom. „Ohne ihn kann ich nicht zaubern.“ Ada lächelte geheimnisvoll. „Bist du dir da sicher? Komm, versuch es doch einmal ganz ohne Stab.“
Zögernd hob Tom die Hand und versuchte, ohne seinen Stab einen kleinen Funken zu zaubern. Er konzentrierte sich, dachte an all das Gute, das er fühlte – und siehe da: Aus seinen Fingerspitzen sprühten winzige, glitzernde Funken. Tom traute seinen Augen nicht. „Ich … ich habe gezaubert! Ohne Stab!“
„Siehst du“, sagte Ada sanft. „Die Magie war nie im Zauberstab. Sie war immer in dir. Der Stab hat dir nur geholfen, daran zu glauben. Aber die wahre Kraft kommt aus deinem Herzen und deinem Mut.“ Tom staunte. Die ganze Zeit hatte er gedacht, er bräuchte den Stab – dabei steckte die Magie in ihm selbst.
Voller neuem Selbstvertrauen trat Tom vor die wartenden Kinder. Und ganz ohne Zauberstab zauberte er die schönste Vorstellung seines Lebens: leuchtende Schmetterlinge, einen Regen aus Sternenfunken und Blumen, die in allen Farben blühten. Die Kinder jubelten und klatschten begeistert.
Nach der Vorstellung fand Tom seinen Zauberstab sogar wieder – er war hinter das Bücherregal gerollt. Doch Tom lächelte nur und legte ihn beiseite. Er brauchte ihn nicht mehr, um an sich zu glauben. Glücklich und stolz kuschelte er sich am Abend in sein Bett. „Die Magie ist in mir“, dachte er zufrieden und schlief zauberhaft zufrieden ein. Gute Nacht, kleiner Tom.
