Hoch in den Bergen lebte ein junger Wolf namens Walu. Walu war allein, denn sein Rudel war weitergezogen, und er hatte sich verlaufen. Jede Nacht setzte er sich auf einen Felsen, schaute zum großen, runden Mond hinauf und heulte – nicht vor Wildheit, sondern vor Einsamkeit. „Auuuu“, klang sein Ruf traurig durch die stille Nacht.
„Ich bin so allein“, seufzte Walu und schaute sehnsüchtig zum Mond. „Du bist auch ganz allein da oben am Himmel, lieber Mond. Vielleicht verstehst du mich.“ Und so erzählte Walu dem Mond jede Nacht von seinen Sorgen, von seiner Einsamkeit und davon, wie sehr er sich einen Freund wünschte.
Eines Abends, als Walu wieder traurig zum Himmel hinaufschaute, geschah etwas Wunderbares. Der Mond begann sanft zu leuchten und sprach mit einer warmen, freundlichen Stimme: „Lieber Walu, ich höre dir schon lange zu. Du bist nicht allein. Ich bin jede Nacht bei dir und wache über dich.“ Walu traute seinen Ohren nicht. „Du sprichst mit mir?“
„Aber natürlich“, sagte der Mond freundlich. „Und weißt du was? Du musst gar nicht einsam sein. Schau dich um – im Tal unter dir leben viele Tiere, die sich auch nach Freunden sehnen. Geh hinunter und sei mutig. Ich leuchte dir den Weg.“ Walu schaute hinab ins Tal, wo kleine Lichter schimmerten. „Aber ich traue mich nicht“, flüsterte er.
„Ich bin bei dir“, sagte der Mond sanft und ließ sein silbernes Licht den Weg ins Tal erhellen. Walu fasste Mut. Vorsichtig stieg er den Berg hinab, immer dem Mondlicht folgend, bis er auf eine Lichtung kam. Dort traf er einen jungen Fuchs, der ebenso allein war wie er. „Hallo“, sagte Walu schüchtern. „Möchtest du vielleicht ein Freund sein?“
Der Fuchs schaute überrascht, dann lächelte er. „Oh ja, sehr gern! Ich bin auch ganz allein und habe mir einen Freund gewünscht.“ Von diesem Moment an waren Walu und der Fuchs unzertrennlich. Sie spielten zusammen, jagten Schmetterlinge, erkundeten den Wald und kuschelten sich nachts aneinander, damit keiner mehr frieren oder sich fürchten musste.
Walu war nicht mehr einsam. Und jede Nacht heulte er noch immer zum Mond hinauf – aber nun nicht mehr traurig, sondern dankbar und fröhlich. „Danke, lieber Mond“, rief er, „dass du mir Mut gemacht und mir den Weg zu einem Freund geleuchtet hast.“ Der Mond strahlte warm zurück, als würde er lächeln.
Am Ende eines schönen Tages legte sich Walu zufrieden neben seinen Freund, den Fuchs, unter den leuchtenden Mond. „Man muss nur ein bisschen Mut fassen“, dachte er glücklich, „dann findet man Freunde.“ Während der Mond sanft über ihnen wachte, schliefen die beiden Freunde friedlich ein. Schlaf gut, lieber Walu.
