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Der Wolf, der ein Schaf beschützte

Freundschaft · Mut machenab 7 5 Min.
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In den Wäldern am Rand der grünen Weiden lebte ein junger Wolf namens Wanu. Wölfe hatten einen gefährlichen Ruf, und alle Tiere fürchteten sich vor ihnen. Wenn Wanu sich blicken ließ, flohen die Schafe, gackerten die Hühner und versteckten sich die Hasen. „Vorsicht, der Wolf!“, riefen sie. Dabei wollte Wanu eigentlich niemandem etwas tun.

Wanu war nämlich ein sanftmütiger Wolf. Er jagte nur, was er zum Leben brauchte, und träumte heimlich davon, einmal Freunde zu haben. Doch wegen seines Rufes traute sich niemand in seine Nähe. „Alle halten mich für böse“, dachte Wanu traurig, „nur weil ich ein Wolf bin. Dabei kennt mich gar keiner richtig.“

Eines stürmischen Abends, als Wanu durch den Wald streifte, hörte er ein verzweifeltes Blöken. Er folgte dem Geräusch und fand ein kleines Lamm, das sich von der Herde verirrt hatte und in einem reißenden Bach festsaß. Das Wasser stieg, und das Lamm konnte sich nicht befreien. „Hilfe!“, blökte es voller Angst.

Wanu zögerte keinen Augenblick. Vorsichtig stieg er in den kalten Bach, packte das Lamm sanft am Nackenfell und zog es mit aller Kraft heraus, hinauf ans sichere Ufer. Das Lamm zitterte vor Kälte und Angst. „B-bitte tu mir nichts“, stotterte es, als es den Wolf erkannte. „Keine Sorge“, sagte Wanu sanft. „Ich helfe dir nur. Komm, ich wärme dich.“

Wanu legte sich schützend um das kleine, frierende Lamm und wärmte es mit seinem dichten Fell. Die ganze Nacht hielt er Wache, beschützte das Lamm vor dem Sturm und vor allen Gefahren. „Warum bist du so lieb zu mir?“, fragte das Lamm staunend. „Weil ich gar nicht böse bin“, sagte Wanu. „Auch wenn alle das glauben.“

Am Morgen brachte Wanu das Lamm sicher zurück zu seiner Herde. Die Schafe erstarrten vor Schreck, als sie den Wolf sahen. Doch das kleine Lamm rief: „Habt keine Angst! Wanu hat mich gerettet! Er ist der freundlichste Wolf der Welt!“ Und es erzählte allen, wie der Wolf es aus dem Bach gezogen und die ganze Nacht beschützt hatte.

Die Schafe trauten ihren Ohren kaum. Vorsichtig kamen sie näher und schauten Wanu zum ersten Mal richtig an – und sahen keinen gefährlichen Jäger, sondern einen sanften, mutigen Freund. „Danke, dass du unser Lamm gerettet hast“, sagten sie. Von da an war Wanu auf der Weide willkommen, und er hatte endlich, was er sich immer gewünscht hatte: echte Freunde.

Am Abend lag Wanu zufrieden am Waldrand, das kleine Lamm friedlich an seine Seite gekuschelt. Sein gefährlicher Ruf war vergessen, denn nun kannte man sein gutes Herz. „Es kommt nicht darauf an, was andere über dich denken“, dachte Wanu glücklich, „sondern was du wirklich bist.“ Zufrieden schloss er die Augen und schlief ein. Schlaf gut, lieber Wanu.