In der großen Weihnachtswerkstatt am Nordpol arbeiteten unzählige fleißige Wichtel. Sie bauten Spielzeug, verpackten Geschenke und halfen dem Weihnachtsmann, alles für die Heilige Nacht vorzubereiten. Der kleinste von ihnen war Wim, ein eifriger Wichtel mit einer roten Zipfelmütze, die ihm immer ein bisschen über die Augen rutschte.
Am Tag vor Weihnachten hatte Wim eine besonders wichtige Aufgabe: Er sollte den letzten, ganz besonderen Sack mit Geschenken bereithalten, den der Weihnachtsmann am Schluss abholen würde. „Verlass dich auf mich!“, sagte Wim stolz. Doch er war so müde von der vielen Arbeit, dass er sich nur kurz hinsetzen wollte – und prompt einschlief.
Als Wim aufwachte, war es schon dunkel. Erschrocken sprang er auf. Die Werkstatt war leer und still! „Oh nein!“, rief Wim. „Der Weihnachtsmann ist schon losgeflogen! Und der letzte Geschenkesack steht noch hier!“ Sein Herz klopfte wild. Ohne diesen Sack würden viele Kinder kein Geschenk bekommen.
Wim hätte am liebsten geweint. Doch dann straffte er sich. „Weinen hilft jetzt nicht“, sagte er tapfer. „Ich muss den Sack zum Weihnachtsmann bringen, koste es, was es wolle.“ Er packte den schweren Sack und lief hinaus in die kalte, sternklare Winternacht. Aber wie sollte er nur den Schlitten einholen?
Da sah Wim die Rentiere des Weihnachtsmanns, die noch in ihrem Stall standen – die jungen, die noch nicht mit durften. Das jüngste, Rudi, schaute ihn neugierig an. „Rudi“, rief Wim, „kannst du mich zum Weihnachtsmann fliegen? Viele Kinder brauchen unsere Hilfe!“ Rudi nickte mutig, und Wim kletterte mit dem Sack auf seinen Rücken.
Gemeinsam stiegen sie in den Nachthimmel auf, höher und höher, den Sternen entgegen. Der kalte Wind pfiff Wim um die Ohren, und er hielt sich tapfer fest. Sie flogen über verschneite Wälder und schlafende Dörfer, immer dem Glitzern des Schlittens nach, das ganz in der Ferne zu sehen war.
„Weihnachtsmann! Warte!“, rief Wim aus vollem Halse. Der Weihnachtsmann hörte das Rufen, drehte sich um und hielt seinen Schlitten an. „Wim!“, rief er erstaunt. „Du hast den letzten Sack gebracht! Und mutig durch die ganze Nacht geflogen!“ Wim reichte ihm strahlend den schweren Sack. „Ich wäre fast zu spät gekommen“, keuchte er, „aber ich habe nicht aufgegeben.“
Der Weihnachtsmann lachte herzlich. „Du hast Weihnachten gerettet, kleiner Wim. Dank deines Mutes bekommt nun jedes Kind sein Geschenk.“ Gemeinsam verteilten sie die letzten Päckchen, und überall auf der Welt strahlten am nächsten Morgen die Kinderaugen.
Spät in der Nacht kehrte Wim müde, aber überglücklich in die Werkstatt zurück. Er kuschelte sich in sein kleines Bett, die rote Mütze tief ins Gesicht gezogen. „Auch wenn etwas schiefgeht“, dachte er zufrieden, „mit Mut kann man es wieder gutmachen.“ Dann schlief der tapfere kleine Wichtel selig ein. Frohe Weihnachten, kleiner Wim.
