Mitten im Wald gab es eine klare Quelle, aus der alle Tiere tranken. Sie war das Herz des Waldes, und der kleine Waldgeist Quell wachte über sie. Doch eines Tages, nach einem heftigen Unwetter, war die Quelle plötzlich verschüttet. Erde, Steine und Äste hatten sie verstopft, und kein Tropfen Wasser floss mehr. „Oh nein“, rief Quell erschrocken. „Die Quelle ist versiegt!“
Bald kamen die ersten durstigen Tiere. „Wo ist unser Wasser?“, fragten sie besorgt. „Die Quelle ist verschüttet“, sagte Quell traurig. „Und ich weiß nicht, wie ich sie wieder zum Fließen bringen soll.“ Die Tiere wurden ängstlich. „Ohne Wasser können wir nicht leben“, sagten sie. „Bitte, lieber Waldgeist, hilf uns!“ Quell spürte, wie wichtig seine Aufgabe war.
Quell machte sich sofort an die Arbeit. Er begann, die Steine und Äste, die die Quelle verstopften, wegzuräumen. Doch es war viel mehr, als er gedacht hatte. Manche Steine waren so schwer, dass er sie kaum bewegen konnte. „Das schaffe ich nie allein“, dachte Quell verzweifelt. Doch dann sagte er sich: „Ich darf nicht aufgeben. Die Tiere brauchen das Wasser.“
Quell arbeitete unermüdlich, Stein für Stein, Ast für Ast. Es war anstrengend, und manchmal rutschte alles wieder nach. Doch Quell machte einfach weiter. Und als die Tiere sahen, wie hartnäckig der kleine Waldgeist kämpfte, kamen sie ihm zu Hilfe. Der starke Dachs schob die schweren Steine, die Vögel trugen die kleinen Äste fort, und die Eichhörnchen buddelten die Erde weg.
„Gemeinsam schaffen wir es!“, rief Quell, und mit vereinten Kräften räumten sie die verschüttete Quelle frei. Sie arbeiteten den ganzen Tag, und langsam kamen sie der Quelle immer näher. „Nur noch ein bisschen“, feuerte Quell alle an. „Ich kann das Wasser schon ganz leise gluckern hören!“ Mit neuem Eifer machten sich alle ans letzte Stück.
Und dann, als der letzte große Stein beiseitegerollt war, geschah es: Mit einem fröhlichen Sprudeln brach das klare Quellwasser wieder hervor und floss frisch und munter über die Steine. „Die Quelle fließt wieder!“, jubelten alle Tiere. „Das Wasser ist zurück!“ Sie tranken in großen, dankbaren Schlucken das kühle, klare Wasser.
„Danke, lieber Quell!“, riefen die Tiere. „Du hast nicht aufgegeben und unsere Quelle gerettet!“ Quell wurde ganz warm ums Herz. „Wir haben es gemeinsam geschafft“, sagte er bescheiden. „Allein hätte ich es nie gekonnt. Aber zusammen sind wir stark.“ Die Tiere stimmten fröhlich zu und feierten ihre wiedergewonnene Quelle.
Quell war stolz, dass er nicht aufgegeben hatte. „Manchmal sieht eine Aufgabe unmöglich aus“, dachte er. „Aber wenn man nicht aufgibt und Hilfe annimmt, dann schafft man auch das Schwerste.“ Von diesem Tag an wachte Quell noch sorgsamer über seine Quelle – das klare, lebendige Herz des Waldes.
Am Abend, müde von der harten Arbeit, aber glücklich, kuschelte sich Quell ans Ufer seiner fröhlich plätschernden Quelle. „Heute haben wir die Quelle gerettet“, dachte er zufrieden. Das Wasser gluckerte sanft wie ein Schlaflied, der Mond spiegelte sich darin, und mit einem warmen, stolzen Herzen schlief der kleine Waldgeist Quell zufrieden ein. Schlaf gut, Quell. Gute Nacht.
