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Der Waldgeist und der einsame Baum

Freundschaft · Gefühle (Wut/Angst)ab 5 4 Min.
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Am äußersten Rand des Waldes stand ein großer, alter Baum ganz allein auf einer Wiese. Weit und breit war kein anderer Baum zu sehen. Der Waldgeist Enno kam oft an ihm vorbei und bemerkte, dass der alte Baum traurig aussah. Seine Äste hingen ein wenig herab, und seine Blätter raschelten seufzend im Wind. „Lieber Baum, warum bist du so traurig?“, fragte Enno eines Tages.

Der alte Baum seufzte mit einem leisen Knarren. „Ach, lieber Waldgeist“, sagte er. „Ich stehe hier ganz allein, weit weg von allen anderen Bäumen. Im Wald stehen die Bäume dicht beieinander, rauschen miteinander und sind nie allein. Ich aber habe niemanden zum Reden. Ich bin so einsam.“ Eine kleine Träne aus Harz glänzte an seinem Stamm.

Enno bekam Mitleid mit dem einsamen Baum. „Das muss traurig sein, so ganz allein“, sagte er. Er überlegte, wie er dem Baum helfen könnte. „Ich kann dich nicht in den Wald tragen“, dachte er. „Aber vielleicht kann ich dir Gesellschaft bringen.“ Da hatte Enno eine Idee. Er machte sich auf den Weg in den Wald, um Freunde für den einsamen Baum zu suchen.

Zuerst sprach Enno mit einer Familie von Vögeln. „Sucht ihr nicht einen schönen, ruhigen Platz für euer Nest?“, fragte er. „Ich kenne einen wunderbaren alten Baum am Waldrand, ganz für euch allein, mit der schönsten Aussicht.“ Die Vögel waren begeistert und flogen gleich mit Enno zum einsamen Baum, um sich dort niederzulassen.

Dann lud Enno ein paar Eichhörnchen ein, in den Ästen des Baumes zu spielen, und zeigte einem Bienenvolk die süßen Blüten in seiner Krone. Er bat die Wiesenblumen, rund um den Stamm zu wachsen, und die Schmetterlinge, ihn zu besuchen. Nach und nach wurde der einsame Baum zu einem lebendigen, fröhlichen Ort voller Gesellschaft.

Bald summte und zwitscherte und raschelte es überall um den alten Baum. Die Vögel sangen in seinen Ästen, die Eichhörnchen spielten in seiner Krone, die Bienen summten in seinen Blüten, und die Blumen blühten an seinem Fuß. „Oh, wie schön!“, rief der alte Baum und reckte freudig seine Äste. „Jetzt bin ich gar nicht mehr allein!“

„Danke, lieber Waldgeist“, sagte der Baum gerührt. „Du hast mir Gesellschaft und Freunde gebracht. Jetzt bin ich der glücklichste Baum weit und breit.“ Enno strahlte. „Niemand sollte einsam sein müssen“, sagte er. „Auch ein einzelner Baum am Waldrand verdient Freunde.“ Der alte Baum rauschte glücklich mit seinen Blättern.

Von diesem Tag an war der einst einsame Baum ein fröhlicher Treffpunkt voller Leben. Und Enno kam oft vorbei, setzte sich in seinen Schatten und lauschte dem zufriedenen Rauschen seiner Blätter. „Siehst du?“, sagte Enno. „Manchmal braucht es nur jemanden, der ein paar Freunde zusammenbringt.“

Am Abend, zufrieden nach seiner guten Tat, kuschelte sich Enno in das weiche Moos am Fuß des nun fröhlichen Baumes. „Heute habe ich einem einsamen Baum Freunde geschenkt“, dachte er glücklich. Über ihm raschelten die Blätter zufrieden, der Mond schien sanft, und mit einem warmen Herzen schlief der Waldgeist Enno zufrieden ein. Schlaf gut, Enno. Gute Nacht.