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Der Wal und die Möwe

Freundschaftab 5 5 Min.
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Weit draußen im weiten, blauen Meer lebte ein großer Wal namens Wal-Wim. Er war das größte Tier der ganzen Welt, so riesig wie ein schwimmender Berg. Wenn er auftauchte und Luft holte, schoss eine hohe Fontäne in den Himmel. Wim war freundlich und sanft, doch in der Weite des Ozeans war er oft allein, denn die anderen großen Wale zogen weit entfernt ihre Bahnen. Manchmal sang er traurige, tiefe Lieder, die durch das ganze Meer hallten.

Hoch über den Wellen flog eine kleine Möwe namens Mia. Mia war winzig im Vergleich zum Meer, aber flink und mutig. Sie liebte es, über das Wasser zu segeln und nach Fischen Ausschau zu halten. Eines Tages hörte sie Wims tiefes, trauriges Lied von unten heraufdringen. „Wer singt denn da so wehmütig?“, dachte Mia und ließ sich neugierig auf die Wellen hinab, genau in dem Moment, als der große Wal auftauchte.

„Oh!“, rief Mia und flatterte erschrocken auf, als der gewaltige Rücken neben ihr aus dem Wasser stieg. „Du bist ja riesig!“ „Und du“, sagte Wim mit seiner tiefen, sanften Stimme, „bist ganz winzig. Hab keine Angst, kleine Möwe. Ich tu dir nichts.“ Mia ließ sich wieder nieder, diesmal direkt auf Wims breitem Rücken, der aus dem Wasser ragte wie eine kleine Insel. „Warum singst du so traurig?“, fragte sie. „Weil ich oft allein bin“, gestand Wim.

„Dann sei doch nicht mehr allein“, sagte Mia einfach. „Lass uns Freunde sein.“ Wim freute sich so sehr, dass er eine kleine Freudenfontäne in die Luft blies, die Mia sanft umsprühte und kichern ließ. Und so begann eine wunderbare Freundschaft zwischen dem größten Tier des Meeres und einer der kleinsten Bewohnerinnen des Himmels. Sie waren so verschieden – der eine in der Tiefe, die andere in der Luft – und doch passten sie wunderbar zusammen.

Bald merkten sie, wie gut sie sich ergänzten. Mia konnte von hoch oben weit über das Meer blicken. „Dort drüben ist ein riesiger Fischschwarm!“, rief sie dann, und Wim schwamm hin und fand reichlich Futter. Wim wiederum kannte die Tiefe des Meeres und erzählte Mia von den Wundern dort unten, die sie von oben nie sehen konnte: von leuchtenden Quallen, von Korallengärten, von versunkenen Schätzen am Meeresgrund.

Wenn Mia müde war vom langen Fliegen, durfte sie sich auf Wims breitem Rücken ausruhen und mit ihm über das Meer gleiten – eine winzige Möwe auf einem riesigen Wal. „Das ist die schönste Insel der Welt“, sagte Mia zufrieden. Und wenn Wim sich einsam fühlte, kreiste Mia über ihm und sang ihm fröhliche Lieder, bis seine Wehmut verflogen war. Keiner von beiden war je wieder allein.

Eines Tages aber zog ein gewaltiger Sturm auf. Riesige Wellen türmten sich, und der Wind peitschte so heftig, dass die kleine Mia kaum noch fliegen konnte. Ihre Flügel wurden nass und schwer, und sie drohte, ins aufgewühlte Meer zu stürzen. „Wim!“, rief sie verzweifelt gegen den heulenden Sturm. „Ich kann nicht mehr fliegen!“ Schon fiel sie taumelnd den schäumenden Wellen entgegen.

Doch da tauchte unter ihr Wims gewaltiger Rücken auf und fing sie sanft auf, bevor sie ins Wasser stürzte. „Halt dich fest, kleine Mia!“, rief Wim. Und mit seinem riesigen Körper schwamm er ruhig durch die tobenden Wellen, ein sicherer Fels in der wilden See, und beschützte die kleine Möwe vor dem Sturm, bis dieser sich endlich legte. „Du hast mich gerettet!“, sagte Mia erschöpft, aber überglücklich, auf seinem warmen, breiten Rücken.

„Natürlich“, sagte Wim. „Du hast mir die Fischschwärme gezeigt und mir Lieder gesungen, wenn ich traurig war. Jetzt habe ich dich beschützt. So machen das Freunde.“ Mia nickte und schüttelte sich das Wasser aus den Federn. „Du bist so groß und stark“, sagte sie, „und ich bin so klein und flink. Aber zusammen sind wir stärker als jeder Sturm.“

Als der Sturm vorüber war, klarte der Himmel auf, und über dem ruhig gewordenen Meer spannte sich ein wunderschöner Regenbogen. Wim blies eine hohe Freudenfontäne, die im Sonnenlicht in allen Farben glitzerte, und Mia flog hindurch und juchzte vor Freude. Gemeinsam genossen sie den Frieden nach dem Sturm, der große Wal und die kleine Möwe, Seite an Seite.

Als der Abend kam und die Sonne golden im Meer versank, machte es sich Mia ein letztes Mal auf Wims breitem Rücken gemütlich, bevor sie zu ihrem Felsen zurückflog. „Gute Nacht, großer Wim“, rief sie. „Gute Nacht, kleine Mia“, sang Wim mit seiner tiefen, sanften Stimme – und diesmal klang sein Lied nicht mehr traurig, sondern warm und glücklich.

Und während die Sterne über dem weiten, ruhigen Meer erschienen, schlief der größte Wal in der Tiefe und die kleine Möwe auf ihrem Felsen – jeder in seiner Welt, und doch verbunden durch die schönste Freundschaft. Schlaf gut, Wim. Schlaf gut, Mia. Gute Nacht.