Im weiten Ozean lebte ein junger Wal namens Wim. Wim war stolz und wollte immer alles allein schaffen. „Ich bin stark genug“, sagte er. „Ich brauche niemandes Hilfe.“ Wenn die anderen Wale ihm etwas zeigen wollten, winkte er ab. „Ich komme schon allein zurecht“, sagte er und schwamm eigensinnig seine eigenen Wege.
Eines Tages, als Wim allein durch die Tiefe schwamm, geriet er in ein altes, treibendes Fischernetz. Es wickelte sich um seine Flosse, und je mehr er zappelte, desto fester verhedderte er sich. „Oh nein“, dachte Wim. „Ich stecke fest.“ Er zog und zerrte mit aller Kraft, doch das Netz ließ nicht los. Wim bekam langsam Angst.
Wim versuchte verzweifelt, sich allein zu befreien. Er drehte und wand sich, doch es half nichts – im Gegenteil, das Netz wurde nur enger. Seine Kräfte schwanden, und er konnte kaum noch zur Oberfläche, um Luft zu holen. „Was mache ich nur?“, dachte er panisch. „Ich schaffe das nicht allein.“
Tief in sich wusste Wim, was er tun musste: Er musste um Hilfe rufen. Doch das fiel ihm schwer, denn er hatte sich immer für so stark und selbstständig gehalten. „Wenn ich rufe, denken die anderen, ich bin schwach“, dachte er. Doch dann verstand er: Hilfe zu holen, wenn man sie braucht, ist nicht schwach – es ist klug und mutig.
Wim holte all seinen Mut zusammen und stieß einen lauten, tiefen Walgesang aus, der weit durch das Meer hallte – einen Hilferuf. „Bitte, helft mir!“, sang er. „Ich habe mich in einem Netz verfangen!“ Sein Ruf trug weit, und schon bald hörten die anderen Wale ihn und schwammen aus allen Richtungen herbei.
Gemeinsam machten sich die Wale an die Arbeit. Mit ihren Zähnen nagten sie am Netz, mit ihren kräftigen Körpern schoben sie es zur Seite, und behutsam halfen sie Wim, sich Flosse für Flosse zu befreien. „Halt durch, Wim“, riefen sie. „Wir schaffen das zusammen.“ Und tatsächlich – nach einer Weile war Wim frei!
Erleichtert tauchte Wim auf und holte tief Luft. „Danke“, sagte er gerührt. „Ihr habt mich gerettet. Ich dachte immer, ich müsste alles allein können. Aber heute habe ich gelernt, dass es Mut braucht, um Hilfe zu bitten – und dass wahre Freunde immer zusammenhalten.“ Die anderen Wale schwammen freudig um ihn herum.
Von da an war Wim nicht mehr so eigensinnig. Er schwamm gern mit den anderen, half ihnen und ließ sich auch helfen. Am Abend ruhte er zufrieden im sanften Wasser, umgeben von seinen Freunden. „Um Hilfe zu bitten ist stark, nicht schwach“, dachte er und schlief, vom Meer gewiegt, friedlich ein. Schlaf gut, kleiner Wim.
