Unter einer alten Steinbrücke am Waldrand wohnte ein Troll namens Knuro. Knuro war immer schlecht gelaunt. Er brummte und grummelte den ganzen Tag und runzelte so sehr die Stirn, dass seine Augenbrauen fast die Nase berührten. „Geht weg!“, knurrte er jeden, der vorbeikam. „Lasst mich in Ruhe!“
Die Tiere des Waldes machten einen großen Bogen um die Brücke. „Der mürrische Knuro“, flüsterten sie. „Vor dem hat man besser Ruhe.“ Und so saß Knuro Tag für Tag allein unter seiner Brücke und wurde immer grummeliger. Eigentlich war er furchtbar einsam, doch das wollte er nicht zugeben.
Eines Tages hüpfte ein fröhliches kleines Eichhörnchen namens Fips über die Brücke. Es kannte Knuros schlechten Ruf gar nicht. „Hallo!“, rief Fips munter und setzte sich kurzerhand neben den Troll. „Was für ein schöner Tag, findest du nicht?“ Knuro brummte überrascht. „Geh weg. Ich bin schlecht gelaunt.“
Doch Fips ließ sich nicht abschrecken. „Weißt du, warum du schlechte Laune hast?“, fragte das Eichhörnchen fröhlich. „Weil du nie lächelst! Schau mal – Lächeln ist ganz einfach. Man zieht nur die Mundwinkel nach oben, so.“ Und Fips lächelte so breit und ansteckend, dass Knuro ganz verdutzt war.
„Probier’s mal“, sagte Fips. „Zieh die Mundwinkel hoch.“ Knuro grummelte, aber weil das Eichhörnchen so freundlich war, versuchte er es widerwillig. Vorsichtig zog er die Mundwinkel ein klein wenig nach oben. Es fühlte sich seltsam an, ganz ungewohnt. „Mehr!“, lachte Fips. Und Knuro zog die Mundwinkel höher.
Und auf einmal geschah etwas Merkwürdiges: Als Knuro lächelte, fühlte er sich tatsächlich ein bisschen leichter und wärmer ums Herz. Fips kicherte, und plötzlich musste auch Knuro kichern – erst leise, dann immer lauter, bis er aus vollem Bauch lachte. „Ho ho ho!“, dröhnte es unter der Brücke. „Das fühlt sich ja wunderbar an!“
„Siehst du!“, jubelte Fips. „Lächeln macht glücklich – dich und alle um dich herum.“ Von da an lächelte Knuro jeden, der über die Brücke kam, freundlich an. Und die Tiere, die ihn früher gemieden hatten, blieben nun stehen, um mit ihm zu plaudern. Bald war Knuro gar nicht mehr einsam, sondern hatte viele Freunde.
Am Abend saß Knuro zufrieden unter seiner Brücke, das Herz voller Wärme, und ringsum hatten es sich seine neuen Freunde gemütlich gemacht. „Danke, Fips“, brummte er sanft, „dass du mir das Lächeln beigebracht hast.“ Mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht schlummerte der Troll ein. Schlaf gut, lieber Knuro.
