Tief im bunten Korallenriff lebte ein kleiner Tintenfisch namens Tobi. Tobi hatte eine besondere Eigenschaft: Er wechselte ständig die Farbe. Mal war er blau, mal rot, mal grün gepunktet, je nachdem, wie er sich fühlte oder wo er gerade war. Doch Tobi mochte das gar nicht. „Warum kann ich nicht einfach eine Farbe haben wie die anderen Fische?“, seufzte er.
Die bunten Fische im Riff hatten immer dieselbe schöne Farbe – der eine leuchtend gelb, der andere kräftig orange. „Sie wissen wenigstens, welche Farbe sie haben“, dachte Tobi traurig. „Ich verändere mich dauernd. Ich weiß nie, wie ich gerade aussehe. Das ist doch komisch.“ Er fühlte sich anders und ein bisschen unwohl in seiner Haut.
Tobi versuchte sogar, sich eine einzige Farbe zu merken und sie zu behalten. Doch sobald er sich erschrak oder freute, wechselte seine Haut schon wieder. „Ich kann es einfach nicht ändern“, klagte er. Da kam die weise alte Schildkröte vorbei. „Warum so betrübt, kleiner Tintenfisch?“, fragte sie.
„Ich wechsle ständig die Farbe“, sagte Tobi. „Ich wünschte, ich wäre einfach immer gleich wie die anderen.“ Die Schildkröte lächelte. „Aber Tobi, weißt du denn nicht, was für eine wunderbare Gabe das ist? Du kannst dich verfärben, wie du möchtest. Damit kannst du dich verstecken, dich schützen und sogar mit anderen sprechen. Das kann kein anderer Fisch!“
Tobi staunte. „Wirklich? Das ist eine Gabe?“ „Aber natürlich“, sagte die Schildkröte. „Schau – wenn Gefahr droht, kannst du dich genau wie der Sandboden färben und bist unsichtbar. Wenn du fröhlich bist, leuchtest du in den schönsten Farben. Probier es ruhig einmal aus.“ Neugierig versuchte Tobi, sich wie eine Koralle zu färben – und verschwand fast völlig vor ihr.
„Das ist ja toll!“, rief Tobi begeistert und probierte alle möglichen Farben und Muster aus. Er machte sich gestreift, gepunktet, leuchtend bunt und dann wieder unsichtbar. Die anderen Fische schauten staunend zu. „Wow, Tobi, das ist ja zauberhaft! Mach noch mal!“ Tobi verfärbte sich vor lauter Freude in ein strahlendes Regenbogenmuster.
Auf einmal war Tobi richtig stolz auf seine besondere Gabe. „Ich bin gar nicht komisch“, sagte er glücklich. „Ich bin etwas ganz Besonderes. Kein anderer Fisch kann das, was ich kann.“ Von da an spielte Tobi am liebsten Verstecken mit den anderen – und gewann immer, weil er sich so gut tarnen konnte.
Am Abend, müde vom vielen Farbenspielen, ließ sich Tobi in eine gemütliche Felsspalte sinken und färbte sich in ein sanftes, ruhiges Blau. „Ich bin genau richtig, so wie ich bin“, dachte er zufrieden. Sanft gewiegt vom Meer, schlief der kleine Tintenfisch glücklich ein. Schlaf gut, kleiner Tobi.
