schlummerdrache.de – Gute-Nacht-Geschichten

Der Storch, der im Schwarm fliegen lernte

Freundschaft · Selbstvertrauenab 5 4 Min.
Schrift

Auf einem Hausdach im Dorf stand das Nest einer Storchenfamilie, und der jüngste Storch hieß Stan. Stan war ein guter Flieger und sehr stolz darauf. „Ich fliege am liebsten allein“, sagte er. „Im Schwarm zu fliegen, immer in einer Reihe – das ist langweilig. Ich mache lieber meine eigenen Runden.“

Als der Herbst kam, bereiteten sich alle Störche auf die lange Reise in den warmen Süden vor. „Wir fliegen gemeinsam, als großer Schwarm“, erklärte der alte Leitstorch. „So helfen wir uns gegenseitig.“ Doch Stan winkte ab. „Ich fliege allein. Ich bin schnell genug.“ Und so flog er, als die Reise begann, eigensinnig ein Stück abseits des Schwarms.

Am Anfang ging alles gut. Stan flog frei und allein und genoss es. Doch die Reise war lang, sehr lang. Bald wurde Stan müde, denn er musste die ganze Zeit gegen den Wind ankämpfen, ohne jede Hilfe. Seine Flügel wurden schwer. „Puh“, keuchte er, „das ist anstrengender, als ich dachte.“

Der Schwarm dagegen flog in einer eleganten Keilformation. Stan beobachtete, wie sie sich abwechselten: Der vorderste Storch teilte den Wind, und alle dahinter flogen im Windschatten viel leichter. Wenn der Erste müde wurde, flog er nach hinten, und ein anderer übernahm die Spitze. „So sparen sie Kraft“, bemerkte Stan staunend.

Stan wurde immer erschöpfter, während er allein gegen den Wind kämpfte. Schließlich konnte er kaum noch die Flügel heben. „Ich schaffe das nicht mehr allein“, gab er müde zu. Da bemerkte der Schwarm den erschöpften Stan. „Komm zu uns!“, riefen sie freundlich. „Flieg im Windschatten mit, dann ruhst du dich aus.“

Dankbar reihte sich Stan in den Schwarm ein. Und sofort spürte er, wie viel leichter das Fliegen war, getragen vom Windschatten der anderen. Seine müden Flügel konnten sich ausruhen. „Das ist ja wunderbar“, sagte Stan erleichtert. „Gemeinsam ist die Reise viel leichter.“ Bald hatte er wieder Kraft und flog sogar selbst eine Weile mutig an der Spitze.

Den Rest der langen Reise flog Stan im Schwarm mit, einer für den anderen. Sie wechselten sich ab, hielten zusammen und erreichten gemeinsam den warmen Süden. „Ich dachte, allein zu fliegen sei besser“, sagte Stan. „Dabei kommt man zusammen viel weiter – und es ist auch viel schöner.“

Am Ende der Reise ließ sich Stan müde, aber glücklich an einem sonnigen See nieder, mitten unter seinem Schwarm. „Zusammenhalt macht stark“, dachte er zufrieden und steckte den Kopf unter den Flügel. Geborgen zwischen seinen Storchenfreunden schlief Stan friedlich ein. Schlaf gut, kleiner Stan.