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Der stolze Hirsch lernt teilen

Dankbarkeit · Freundschaftab 7 4 Min.
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Konrad war ein junger Hirsch, der sehr stolz auf sich war. Besonders stolz war er auf seine Wiese – eine wunderbare, saftig grüne Wiese voller süßer Kräuter, die er für sich allein beanspruchte. „Das ist meine Wiese“, sagte er zu jedem, der sich näherte. „Sucht euch euer eigenes Futter. Hier frisst nur ich.“

Die anderen Tiere fanden das traurig. „Aber die Wiese ist so groß“, sagte ein Hase schüchtern. „Es wäre genug für alle da.“ Konrad aber schüttelte stur sein Geweih. „Meins ist meins“, brummte er und scheuchte den Hasen davon. So graste Konrad jeden Tag allein auf seiner großen, schönen Wiese, während die anderen Tiere weiterziehen mussten.

Doch dann kam ein heißer, trockener Sommer. Wochenlang fiel kein Regen. Die Sonne brannte vom Himmel, und überall im Wald vertrockneten die Pflanzen. Auch Konrads stolze Wiese wurde braun und dürr. Das saftige Gras welkte, die süßen Kräuter verdorrten, und bald gab es kaum noch etwas zu fressen. Konrads Bauch knurrte.

Hungrig zog Konrad los, um Futter zu suchen. Er wanderte weit, bis er an einen schattigen Teil des Waldes kam, den er nicht kannte. Dort, an einer kühlen Quelle, wuchs noch frisches, grünes Gras. Und dort grasten auch die anderen Tiere – die Rehe, die Hasen, die er einst von seiner Wiese verjagt hatte.

Konrad blieb verlegen stehen. Er hatte Hunger, aber er schämte sich. „Dürfte ich vielleicht ein wenig von eurem Gras?“, fragte er leise. Er rechnete fest damit, dass die anderen ihn wegschicken würden, so wie er es bei ihnen getan hatte. Doch zu seiner Überraschung trat eine alte Hirschkuh freundlich beiseite. „Aber natürlich“, sagte sie. „Komm, frisst mit uns. Hier ist genug für alle.“

Konrad konnte es kaum glauben. Dankbar senkte er den Kopf und fraß von dem frischen Gras. Es schmeckte herrlich, und noch viel mehr wärmte ihn die Freundlichkeit der anderen. „Warum lasst ihr mich mitfressen?“, fragte er. „Ich war doch so gemein zu euch.“ Die alte Hirschkuh lächelte. „Weil niemand hungern soll“, sagte sie schlicht. „Teilen macht das Herz reicher, nicht ärmer.“

Diese Worte gingen Konrad nicht mehr aus dem Kopf. Er hatte seine Wiese für sich allein gehabt – und war doch immer allein gewesen. Hier teilten alle miteinander, und alle waren fröhlich und satt. „Ich habe das ganz falsch gemacht“, gestand Konrad. „Ich will es besser machen.“

Als der Sommer vorbei war und endlich wieder Regen fiel, wurde Konrads Wiese wieder grün und saftig. Doch diesmal stellte Konrad sich an den Rand und rief laut in den Wald: „Kommt alle her! Auf meiner Wiese ist Platz für jeden. Lasst uns gemeinsam fressen!“ Und die Tiere kamen, eins nach dem anderen, und grasten fröhlich miteinander.

Nie war Konrads Wiese schöner gewesen als jetzt, voller Leben und voller Freunde. Am Abend legte sich Konrad satt und zufrieden ins Gras, umgeben von den anderen Tieren. „Geteilte Freude ist die schönste Freude“, dachte er glücklich. Die Sterne funkelten über der Wiese, ein sanfter Wind strich durch das Gras, und mit einem warmen Herzen schlief der Hirsch Konrad zufrieden ein. Schlaf gut, Konrad. Gute Nacht.