Eines Nachts saß das Mädchen Juli an ihrem Fenster und schaute zu den Sternen hinauf. Plötzlich löste sich einer von ihnen und fiel als heller Streifen vom Himmel – mitten in Julis Garten. Erstaunt lief sie hinaus und fand im Gras einen kleinen, leuchtenden Stern, der ganz traurig flackerte.
„Oh nein“, weinte der kleine Stern mit feinem Stimmchen. „Ich bin vom Himmel gefallen und finde nicht mehr zurück. Dort oben ist mein Zuhause, bei all meinen Sternengeschwistern. Jetzt bin ich hier unten ganz allein.“ Sein Licht wurde schwächer und schwächer vor lauter Kummer.
Juli kniete sich vorsichtig hin. „Weine nicht, kleiner Stern“, sagte sie sanft. „Ich helfe dir, nach Hause zu kommen. Ich verspreche es.“ Behutsam nahm sie den Stern in ihre Hände, wo er sich warm und kribbelig anfühlte. „Aber wie kommen wir nur hinauf zum Himmel?“, überlegte sie.
Juli dachte angestrengt nach. „Vielleicht weiß die alte Eule Rat“, sagte sie und lief mit dem Stern zum Wald. Die weise Eule hörte sich alles an und nickte. „Ein gefallener Stern kann nur mit der Kraft eines guten Wunsches zurückkehren“, sagte sie. „Du musst ihn zum höchsten Punkt bringen und dir von Herzen wünschen, dass er heimfindet.“
Juli machte sich auf den Weg zum höchsten Hügel. Der Aufstieg war steil und dunkel, und sie war ein wenig ängstlich. Doch sie hielt den kleinen Stern fest und kletterte tapfer weiter. „Wir schaffen das“, flüsterte sie ihm zu, und der Stern leuchtete ihr dankbar den Weg.
Oben auf dem Gipfel, dem Himmel ganz nah, hob Juli den kleinen Stern hoch über ihren Kopf. Sie schloss die Augen und wünschte sich aus tiefstem Herzen: „Lieber Stern, finde sicher nach Hause zu deiner Familie.“ Und plötzlich begann der Stern heller und heller zu leuchten.
Mit einem sanften Schweif aus Licht stieg der kleine Stern aus Julis Händen empor, höher und höher, zurück hinauf in den dunklen Himmel, bis er seinen Platz zwischen seinen Geschwistern wiederfand. Dort funkelte er so hell und glücklich, dass Juli genau wusste, welcher er war. „Danke, Juli!“, glitzerte es von oben herab.
Juli winkte glücklich hinauf. Von da an, jedes Mal wenn sie in den Nachthimmel schaute, blinkte ihr ein ganz bestimmter Stern besonders fröhlich zu – ihr kleiner Freund. Zufrieden ging sie nach Hause, kuschelte sich ins Bett und schaute durchs Fenster zu ihm hinauf. „Gute Nacht, kleiner Stern“, flüsterte sie und schlief glücklich ein. Schlaf gut, liebe Juli.
