Hoch am Himmel wohnte ein kleiner Stern namens Sternchen. Sternchen hatte ein Geheimnis, das es niemandem verriet: Es fürchtete sich vor der Dunkelheit. Das war besonders schwierig, denn Sterne kommen ja erst heraus, wenn es dunkel wird. Jeden Abend, wenn die Nacht hereinbrach, wurde Sternchen ganz bang ums Herz.
„Die Dunkelheit ist so schwarz und endlos“, zitterte Sternchen und versteckte sich hinter einer Wolke. „Ich mag das gar nicht.“ Während die anderen Sterne fröhlich funkelten, traute sich Sternchen kaum hervor und leuchtete nur ganz schwach. „Ein Stern, der sich vor dem Dunkeln fürchtet“, dachte es beschämt. „Wie soll das nur gehen?“
Eines Nachts hörte Sternchen ein leises Weinen von der Erde herauf. Es spähte vorsichtig hinter seiner Wolke hervor und sah ein kleines Kind, das am Fenster saß und sich fürchtete. „Es ist so dunkel“, schluchzte das Kind. „Ich habe Angst und kann nicht einschlafen.“ Sternchen verstand sofort, wie sich das Kind fühlte – genauso wie es selbst.
„Das arme Kind“, dachte Sternchen. „Es hat genau dieselbe Angst wie ich.“ Und auf einmal vergaß Sternchen seine eigene Furcht, denn es wollte dem Kind unbedingt helfen. Mutig trat es hinter der Wolke hervor und begann zu leuchten, so hell es nur konnte. Sein warmes Licht fiel sanft durch das Fenster des Kindes.
Das Kind sah das freundliche Licht und hörte auf zu weinen. „Ein Stern“, flüsterte es und lächelte. „Ein heller, schöner Stern leuchtet für mich.“ Beruhigt von Sternchens warmem Schein kuschelte sich das Kind ins Bett und schlief friedlich ein. Sternchen hatte mit seinem Licht die Dunkelheit ganz freundlich gemacht.
Da begriff Sternchen etwas Wunderbares: Die Dunkelheit war gar nicht zum Fürchten, solange es ein Licht gab. Und Sternchen selbst war dieses Licht! „Ich muss keine Angst vor dem Dunkeln haben“, jubelte es, „denn ich bringe ja selbst das Licht hinein.“ Vor Freude leuchtete Sternchen heller als je zuvor.
Von da an war Sternchen nicht mehr ängstlich. Jede Nacht trat es mutig hervor und leuchtete für alle Kinder, die sich im Dunkeln fürchteten. Sein warmes Licht tröstete viele kleine Träumer und half ihnen, ruhig einzuschlafen. Sternchen war stolz, dass aus seiner eigenen Angst etwas so Gutes geworden war.
Als der Morgen nahte und Sternchen müde wurde, kuschelte es sich zufrieden hinter eine weiche Wolke. „Ich bringe Licht ins Dunkel“, dachte es glücklich, „und darum muss ich mich nie wieder fürchten.“ Mit diesem warmen Gedanken schloss das kleine Sternchen die Augen und schlief zufrieden ein. Schlaf gut, kleines Sternchen.
