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Der schüchterne Superheld Finn

Mut machen · Selbstvertrauenab 7 4 Min.
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In einer kleinen Stadt lebte ein Junge namens Finn, der ein großes Geheimnis hatte: Er besaß eine echte Superkraft. Wenn Finn ganz fest die Augen zusammenkniff und sich konzentrierte, konnte er Dinge mit seinen Gedanken bewegen. Ein Stift, ein Apfel, ein Spielzeugauto – alles konnte er sanft durch die Luft schweben lassen. Doch Finn zeigte seine Kraft niemandem, denn er war sehr schüchtern.

„Was, wenn die anderen mich komisch finden?“, dachte Finn ängstlich. „Was, wenn sie lachen?“ Also versteckte er seine Superkraft und benutzte sie nur heimlich, wenn niemand zusah. In der Schule saß er still in der letzten Reihe und meldete sich nie. Niemand ahnte, welch besondere Gabe in dem schüchternen Finn steckte.

Eines Tages war Finns Klasse auf einem Ausflug am Fluss. Alle lachten und spielten, als plötzlich ein Schrei ertönte. Der kleine Tim hatte am Ufer seinen geliebten Teddy fallen lassen, und nun trieb dieser im Wasser davon, immer weiter weg vom Ufer, der starken Strömung entgegen. Tim weinte. „Mein Teddy! Er treibt weg, und ich kann nicht schwimmen!“

Die anderen Kinder standen ratlos am Ufer. Niemand konnte den Teddy erreichen, und ins Wasser zu gehen war zu gefährlich. Finn spürte, wie sein Herz klopfte. Er wusste genau, dass er helfen konnte – mit seiner geheimen Superkraft. Aber dann müsste er sein Geheimnis vor allen zeigen. „Was, wenn sie mich für seltsam halten?“, dachte er. Doch Tims Weinen ging ihm zu Herzen.

Finn holte tief Luft. „Manchmal“, erinnerte er sich an die Worte seiner Mutter, „muss man mutig sein und sich trauen, auch wenn man Angst hat.“ Er trat ans Ufer, kniff die Augen zusammen und konzentrierte sich ganz fest auf den treibenden Teddy. Langsam, ganz langsam, hob sich der nasse Teddy aus dem Wasser und schwebte sanft durch die Luft – zurück ans Ufer, geradewegs in Tims ausgestreckte Arme.

Einen Moment lang war es ganz still. Alle Kinder starrten mit offenen Mündern. Finn errötete und wartete schon darauf, ausgelacht zu werden. Doch dann brach ein gewaltiger Jubel los. „Das war ja unglaublich!“, riefen die Kinder. „Finn, du hast Superkräfte! Das ist ja fantastisch!“ Tim drückte seinen geretteten Teddy fest an sich. „Danke, Finn“, schluchzte er glücklich. „Du bist ein echter Held!“

Finn konnte es kaum fassen. Niemand lachte ihn aus. Im Gegenteil – alle fanden seine Kraft wunderbar und freuten sich für ihn. „Warum hast du das nie erzählt?“, fragten die Kinder. „Ich hatte Angst, dass ihr mich komisch findet“, gestand Finn leise. „Aber das tut keiner!“, riefen sie. „Wir finden dich großartig!“ Finn lächelte, und ein warmes, befreiendes Gefühl breitete sich in ihm aus.

Von diesem Tag an war Finn nicht mehr ganz so schüchtern. Er hatte gelernt, dass es sich lohnt, mutig zu sein und sich zu zeigen, so wie man ist. Seine Superkraft benutzte er nun manchmal, um anderen zu helfen oder die Kinder zum Staunen zu bringen. Und er merkte: Seine größte Stärke war gar nicht das Schweben-Lassen, sondern der Mut, sich endlich getraut zu haben.

Am Abend lag Finn zufrieden in seinem Bett. Auf seinem Nachttisch schwebte, ganz sanft und verspielt, ein kleiner Stern aus Papier, den er mit seinen Gedanken in der Luft hielt. „Heute war ich mutig“, dachte er glücklich. Dann ließ er den Papierstern sacht heruntersinken, kuschelte sich ein, und während die echten Sterne vor dem Fenster funkelten, schlief der kleine Superheld Finn stolz und zufrieden ein. Schlaf gut, Finn. Gute Nacht.