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Der Schneemann, der den Frühling sehen wollte

Gefühle (Wut/Angst) · Dankbarkeitab 5 4 Min.
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In einem verschneiten Garten stand ein fröhlicher Schneemann namens Olaf. Die Kinder hatten ihn an einem kalten Wintertag gebaut, mit einer Karottennase, Kohleaugen und einem warmen Schal. Olaf liebte den Winter: das Glitzern des Schnees, die fröhlichen Kinder, die Schneeballschlachten. Doch er war auch neugierig.

„Die Kinder erzählen immer vom Frühling“, sagte Olaf zu der kleinen Meise, die auf seinem Schal saß. „Von bunten Blumen, warmer Sonne und grünen Wiesen. Das würde ich so gern einmal sehen!“ Die Meise zwitscherte traurig. „Ach, lieber Olaf, das geht doch nicht. Wenn der Frühling kommt und es warm wird, dann … dann schmilzt du.“

Olaf wurde ganz still. „Ich schmelze?“, fragte er leise. „Dann werde ich den Frühling also nie sehen.“ Für einen Moment war er sehr traurig. Doch dann schaute er sich um – auf den glitzernden Schnee, die funkelnden Eiszapfen, die lachenden Kinder, die gerade einen Schlitten den Hügel hinunterzogen. „Aber der Winter“, dachte er, „der Winter ist doch auch wunderschön.“

Die weise alte Eule, die im Baum nebenan wohnte, hatte das Gespräch gehört. „Lieber Olaf“, sagte sie sanft, „du musst nicht traurig sein. Jede Jahreszeit hat ihren eigenen Zauber. Du bist ein Kind des Winters, und der Winter ist deine schönste Zeit. Genieße sie, solange sie dauert.“ Olaf dachte darüber nach und nickte langsam.

Von da an genoss Olaf jeden einzelnen Wintertag. Er freute sich am Glitzern des Schnees in der Morgensonne, am fröhlichen Lachen der Kinder, am sanften Rieseln neuer Schneeflocken. „Was für eine schöne Zeit ich habe“, sagte er zufrieden. Er war nicht mehr traurig über den Frühling, den er nicht sehen würde, sondern dankbar für den Winter, den er erleben durfte.

Und die Eule erzählte ihm noch ein Geheimnis. „Weißt du, Olaf, wenn du im Frühling schmilzt, bist du nicht einfach weg. Dein Wasser versickert in die Erde und hilft den Blumen zu wachsen. Ein Teil von dir wird also doch zum Frühling – als bunte Blume, als grünes Gras. Nichts geht wirklich verloren.“ Das tröstete Olaf sehr.

„Dann bin ich also ein bisschen Winter und ein bisschen Frühling“, sagte Olaf glücklich. „Das gefällt mir.“ Er lächelte mit seinem Kohlemund und winkte den Kindern zu, die ihm fröhlich zuwinkten. Olaf hatte verstanden, dass alles seine Zeit hat und dass jede davon kostbar ist.

Als der Abend kam und der Mond den verschneiten Garten in silbernes Licht tauchte, stand Olaf zufrieden in der stillen Winternacht. „Ich genieße jeden Tag, den ich habe“, dachte er glücklich. Sanft rieselte neuer Schnee auf ihn herab, und Olaf ruhte friedlich und dankbar in der schönen, stillen Nacht. Gute Nacht, lieber Olaf.