Hoch im eisigen Norden, wo alles weiß und glitzernd ist, lebte ein kleiner Polarbär namens Pol mit seiner Mama. Der Winter kam, und mit ihm die Polarnacht – jene Zeit, in der die Sonne wochenlang nicht aufgeht und es fast immer dunkel ist. Pol gefiel das gar nicht.
„Mama, ich mag die lange Nacht nicht“, sagte Pol und drückte sich an ihr warmes, weiches Fell. „Es ist immer so dunkel. Wann kommt denn endlich die Sonne wieder?“ Mama Polarbär lächelte. „Die Sonne ruht sich gerade aus, mein Kleiner. Aber weißt du, die lange Nacht hat einen ganz besonderen Zauber. Komm, ich zeige ihn dir.“
Sie führte Pol hinaus auf das weite Eis. Pol schaute sich ängstlich um. Alles war dunkel und still. „Hier ist doch gar nichts“, sagte er. „Warte ab“, flüsterte Mama. „Schau nach oben.“ Pol legte den Kopf in den Nacken und blickte zum dunklen Himmel hinauf.
Und dann geschah es. Am Himmel begann es zu leuchten – erst ein zartes Grün, dann ein leuchtendes Violett, dann schimmerndes Rosa. Riesige, glühende Bänder aus Licht tanzten und wogten über den ganzen Himmel, sanft und wunderschön. „Das Nordlicht“, sagte Mama leise. „Es leuchtet nur in der langen Nacht.“
Pol staunte mit weit aufgerissenen Augen. So etwas Schönes hatte er noch nie gesehen. Die Lichter tanzten über ihm wie ein Schleier aus bunten Farben und spiegelten sich glitzernd im Eis. „Es ist wunderschön“, flüsterte Pol ergriffen. „Das gibt es nur, wenn es dunkel ist?“ „Nur dann“, sagte Mama.
„Siehst du“, sagte Mama Polarbär sanft, „die Dunkelheit ist gar nicht zum Fürchten. Sie schenkt uns dieses Wunder, das man im hellen Sonnenlicht niemals sehen könnte. Manchmal versteckt sich das Schönste gerade in der Nacht.“ Pol nickte langsam. Seine Angst vor der Dunkelheit war wie weggeschmolzen.
Sie blieben noch lange draußen und schauten dem Tanz der Lichter zu. Pol wurde ganz ruhig und warm ums Herz, trotz der Kälte. „Jetzt freue ich mich sogar auf die dunklen Nächte“, sagte er. „Weil dann das Nordlicht leuchtet.“ Mama drückte ihn liebevoll an sich.
Müde von all der Schönheit tapsten sie zurück in ihre warme Schneehöhle. Pol kuschelte sich tief in Mamas weiches Fell. Durch den Eingang konnte er noch immer das sanfte Leuchten des Nordlichts sehen. „Gute Nacht, schönes Licht“, flüsterte er und schlief, sanft von den tanzenden Farben begleitet, glücklich ein. Schlaf gut, kleiner Pol.
