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Der Pinguin, der fliegen wollte

Selbstvertrauen · Gefühle (Wut/Angst)ab 5 4 Min.
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Der kleine Pinguin Theo schaute am liebsten den Vögeln zu, die hoch über dem Eismeer durch die Luft segelten. „Ach, fliegen können“, seufzte er sehnsüchtig. „Über die Wolken gleiten, die ganze Welt von oben sehen. Das wäre wunderbar.“ Doch Theo war ein Pinguin, und Pinguine können nicht fliegen. So sehr er auch mit seinen kleinen Flügeln flatterte, er hob nicht ab.

„Warum kann ich nicht fliegen wie die anderen Vögel?“, klagte Theo seiner Mama. „Ich habe doch auch Flügel.“ Mama Pinguin lächelte. „Deine Flügel sind etwas ganz Besonderes, Theo“, sagte sie. „Sie sind nicht zum Fliegen in der Luft gemacht. Sie sind für etwas anderes da – etwas, das die Vögel am Himmel niemals können. Komm mit, ich zeige es dir.“

Mama führte Theo zum Rand der Eisscholle, wo das tiefe, klare Wasser glitzerte. „Spring mit mir hinein“, sagte sie. Gemeinsam tauchten sie ins kühle Meer. Und auf einmal geschah etwas Wunderbares: Theos kleine Flügel wurden zu kraftvollen Flossen, mit denen er durch das Wasser glitt – schnell, geschmeidig und elegant, fast als würde er fliegen.

„Schau, Theo“, rief Mama. „Du fliegst! Du fliegst durchs Wasser!“ Und tatsächlich – Theo schoss durch das tiefblaue Meer, drehte sich, tauchte hinab und schwang sich wieder hinauf, so frei und elegant wie eine Möwe in der Luft. „Das ist ja herrlich!“, jubelte Theo. „Es fühlt sich an, als würde ich wirklich fliegen!“

Unter Wasser sah Theo wunderbare Dinge, die kein Vogel am Himmel je sehen konnte: schimmernde Fischschwärme, leuchtende Quallen und das Sonnenlicht, das von oben durch das Wasser tanzte. „Das ist meine Welt“, dachte Theo staunend. „Die Vögel haben den Himmel, und ich habe das Meer. Und das Meer ist genauso wunderschön.“

„Siehst du, mein Schatz?“, sagte Mama, als sie wieder auftauchten. „Du musst die Vögel nicht beneiden. Du kannst etwas, das sie nicht können: durch das Wasser fliegen. Deine Flügel sind genau richtig – für einen Pinguin, der das ganze tiefe Meer erkunden kann.“ Theo schaute seine Flossen mit ganz neuen Augen an und war auf einmal mächtig stolz auf sie.

„Ich kann ja gar nicht fliegen wie die Vögel“, sagte Theo, „aber ich fliege durchs Wasser, und das ist mindestens genauso schön.“ Von da an war Theo nicht mehr traurig, wenn er die Vögel am Himmel sah. Er winkte ihnen fröhlich zu und sprang dann vergnügt ins Meer, um durch sein eigenes, blaues Reich zu gleiten.

Theo wurde einer der besten Schwimmer der ganzen Kolonie. Er zeigte den anderen kleinen Pinguinen die schönsten Plätze unter Wasser und tauchte mit ihnen um die Wette. „Wir Pinguine fliegen eben durchs Wasser“, sagte er stolz, „und das ist unser ganz besonderes Geschenk.“

Am Abend, müde vom vielen Schwimmen, kuschelte sich Theo zufrieden in das warme Gefieder seiner Familie. „Ich kann auf meine eigene Art fliegen“, dachte er glücklich. Über dem Eismeer funkelten die Sterne, ein kühler Wind strich über die Schollen, und zufrieden mit sich selbst schlief der kleine Pinguin Theo ein. Schlaf gut, Theo. Gute Nacht.