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Der Papierdrachen, der fliegen lernte

Mut machen · Selbstvertrauenab 5 4 Min.
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Es war ein bunter Herbsttag, und überall wehte ein frischer Wind. In einer Spielzeugkiste lag ein wunderschöner Papierdrachen namens Dado, leuchtend rot und gelb mit einem langen Schweif. Heute sollte Dado zum ersten Mal steigen. Doch Dado hatte große Angst. „So hoch da oben“, zitterte er. „Was, wenn ich abstürze?“

Der kleine Junge Max nahm Dado mit hinaus auf die weite Wiese. Der Herbstwind zauste durch das Gras und zerrte schon an Dados Schweif. „Bereit zum Fliegen?“, rief Max fröhlich und ließ die Schnur ein Stück locker. Doch Dado klammerte sich am Boden fest. „Nein, nein“, dachte er. „Ich bleibe lieber unten, wo es sicher ist.“

Die anderen Drachen am Himmel riefen ihm zu: „Komm hoch, Dado! Hier oben ist es herrlich!“ Hoch über der Wiese tanzten sie im Wind, drehten Schleifen und schaukelten vergnügt. Dado schaute sehnsüchtig hinauf. Er wollte ja so gern mit ihnen fliegen – aber die Angst hielt ihn fest am Boden.

Da kam ein kräftiger Windstoß über die Wiese gefegt. „Jetzt, Dado!“, rief Max. Der Wind packte Dado und hob ihn ein kleines Stück vom Boden. Dado erschrak – doch dann spürte er, wie ihn der Wind sanft und sicher trug, fast wie zwei starke, unsichtbare Hände. „Oh“, machte Dado überrascht. „Das fühlt sich ja gar nicht schlimm an.“

„Lass dich einfach tragen“, schienen die anderen Drachen zu rufen. „Kämpf nicht gegen den Wind, sondern flieg mit ihm!“ Dado holte all seinen Mut zusammen und ließ los. Und da – der Wind trug ihn höher und höher, hinauf in den weiten, blauen Herbsthimmel. „Ich fliege!“, jubelte Dado. „Ich fliege wirklich!“

Hoch oben war es wunderschön. Dado sah die ganze bunte Welt unter sich: die Wiese, den Wald in Rot und Gold, das kleine Dorf mit seinen Dächern. Der Wind trug ihn sanft hin und her, und Dado tanzte vor Freude, ließ seinen langen Schweif wirbeln und schaukelte mit den anderen Drachen um die Wette.

Unten auf der Wiese lachte Max und hielt die Schnur fest. „Siehst du, Dado!“, rief er. „Du kannst es ja wunderbar!“ Dado war so glücklich und stolz. Seine Angst war fortgeflogen, kaum dass er sich getraut hatte. „Ich musste mich nur trauen, mich tragen zu lassen“, dachte er.

Als der Abend kam, holte Max seinen Drachen vorsichtig wieder herunter. Müde und glücklich legte sich Dado in die Spielzeugkiste. „Morgen fliege ich wieder“, dachte er voller Vorfreude. Draußen rauschte der Herbstwind, und Dado träumte schon vom nächsten Flug hoch oben im Himmel. Schlaf gut, kleiner Dado.